Zeitung der Deutschen Kommunistischen Partei in Bonn
| 1. Stoppt den Krieg gegen den Irak |
| 2. Recht auf einen Kindergartenplatz? |
| 3. Aufgespießt |
| 4. Was machen die eigentlich in Berlin? |
Da bedroht die mächtigste
Militärmacht aller Zeiten, ausgestattet mit den Mitteln millionenfachen
Tod zu bringen, ein kleines Land, weil dieses eine Gefahr für seine
Nachbarn darstelle, mit Terroristen zusammenarbeite, eine Bedrohung der
mächtigsten Militärmacht und gar eine Bedrohung des Weltfriedens
darstelle. Für die Feinfühligeren wird zusätzlich darauf
hingewiesen, dass es sich um eine menschenverachtende Diktatur handele.
Als Beweise, die zum Inhalt unendlich sich hinsehenden Talkshows dienen,
werden angeführt; Es existieren 100 (!) Raketen, die statt der dem
Land erlaubten 150 km, 181 (!) km weit reichen. Das Land hat heimlich und
ohne Erlaubnis biologische und chemische Waffen vernichtet! Also, nicht
heimlich und ohne Erlaubnis produziert, vernichtet (!). Außerdem
wurden einige, leere (!) Raketenhüllen gefunden.
Von daher wird dieses Land
Ziel eines gigantischen Truppenaufmarsches des US-Militärs und des
Militärs Großbritanniens, das, ja was eigentlich erreichen will?
Was sollen diese inzwischen unüberschaubaren Streitkräfte eigentlich
in diesem Land?
Die Realität der Bedrohung
1. Selbst zu Zeiten relativen
ökonomischen Wohlstands und intakten Produktionsstätten war die
irakische Armee nicht in der Lage, den relativ schwachen Gegner Iran zu
besiegen. Wohlgemerkt, trotz ökonomischer Unterstützung durch
u.a. die USA.
2. Der Irak verfügt
heute wahrscheinlich allein deshalb über keine funktionsfähigen
B- und C-Waffen, da diese während der UNO-Inspektion 1991-1998 zerstört
wurden – bzw. er diese heimlich und „unerlaubt“ selbst zerstört hat.
3.Der Irak unterliegt dem
schärfsten Wirtschaftsembargo aller Zeiten. Das Kinderhilfswerk UNICEF
geht davon aus, dass in Folge dieses Embargos allein zwischen 1990 und
1996 560.000 Kinder gestorben sind. Die Schätzungen gehen von
1,2 Mio. toten Irakis insgesamt aus. Allein als Folge des Embargos.
Die Kindersterblichkeit
bei Kindern unter 5 Jahren stieg von 5% im Jahr 1990 auf 12,5% im Jahr
1998, während sie in den angrenzenden Ländern im gleichen Zeitraum
um 40% gesunken ist.
Technologisch ist der Irak
am Boden, nicht einmal die Wasserversorgung für alle Bürger kann
sichergestellt werden.
So viel zur Gefährdung
der Nachbarn und des Weltfriedens.
Demokratie
und Menschenrechte
Dass der Irak kein demokratisch
regiertes Land ist, ja, das ist so. Es handelt sich wohl um eine offene
Diktatur. Wir wünschen den Menschen im Irak Umstände und Kraft,
die sie in die Lage versetzen, sich von ihren Unterdrückern zu befreien,
oder, zumindest demokratische Zustände herzustellen. Es erstaunt nur,
dass die Frage bürgerliche Demokratie oder bürgerliche Diktatur
eine so entscheidende Frage für den Weltfrieden bzw. den US-Imperialismus,
oder aber auch den BRD-Imperialismus darstellen soll. Bisher war es doch
offensichtlich so, dass, wenn das Privateigentum der Konzerne und der Zugriff
der imperialistischen Staaten gesichert, zugleich die Frage Demokratie
oder Diktatur geklärt war.
„Schön, dass der Irak von der Diktatur
befreit werden soll, nur schade, dass dies nie Länder ohne Öl
trifft“
Tatsächlich, der Irak
hat Öl, viel Öl. Die USA, Europa, Japan, Russland, brauchen viel
Öl. Und der Irak war ungehorsam, als er nicht nur die verhassten Islamisten
im Iran bekämpfte, sondern auch noch begann, eigene Interessen zu
vertreten.
Wie hieß es noch „Carter-Doktrin“:
„Jede Handlung einer nicht befreundeten Macht, die ihre Kontrolle in der
Golfregion auszudehnen versucht, wird als Bedrohung für die vitalen
Interessen der USA betrachtet und als solche bekämpft.“
Fangen wir an zu rechnen:
Die USA verfügen über 2% der bekannten Welterdölreserven,
verbrauchen aber 25% der jährlichen Weltproduktion. Der Irak besitzt
12% des geschätzten Weltvorrats, der gesamte mittlere Osten 65%. Wieso
also schießen seit dem Untergang der Sowjetunion in dieser Region
US-Militärzentren wie Pilze aus dem Boden? Und, wieso durfte der Irak
mit Unterstützung der USA den Iran angreifen, Kuwait aber nicht? Hatte
dies etwas mit der Drosselung der kuwaitischen Ölproduktion zu tun?
Wird also nun die Welt passend gemacht? Nach Jugoslawien, Afghanistan,
nun der Irak? Und dann?
Und Deutschland?
Unabhängig von der
Frage, ob mit der Einräumung von Überflugrechten, Bewachung von
US-Militäreinrichtungen, Spürpanzern u.ä. die BRD indirekt
doch am Krieg gegen den Irak teilnimmt, ist das eigentlich Erstaunliche,
dass sie nicht bedingungslos „Ja“ sagt.
Die militärischen Aktivitäten
der BRD haben sich seit dem Anschluss der DDR ständig gesteigert.
Mittlerweile stellt die BRD das zweitgrößte Truppenkontingent
in internationalen Einsätzen (Bundeskanzler Schröder, FR 19.08.02).
Mit dem Krieg gegen Jugoslawien und der Truppenentsendung nach Afghanistan
hat die BRD bewiesen, dass sie gewillt ist, ihre Interessen weltweit auch
militärisch durchzusetzen. Mit „ihren“ Interessen sind natürlich
die der „Krupps“ gemeint, nicht die der „Krauses“. Die „Krauses“ hätten
lieber gesicherten Zahnersatz.
Beim Kriegführen ist
die BRD nun dabei; der nächste Schritt ist der, Kriegsbeteiligung
muss sich auch wirtschaftlich rechnen. Das eigene Interesse an der jeweiligen
Militäroperation muss also definiert werden.
Konkret bedeutet dies, der
Handel mit dem mittleren Osten läuft für die BRD nicht schlecht.
Auch Deutschland ist, wie Frankreich, Russland und andere, an sicheren
Ressourcen interessiert. Konkret werden dazu GI’s nicht mehr gebraucht,
eher sind sie störend.
Sowohl Frankreich als auch
Russland, Frankreich nimmt mit seinen exklusiven Verhandlungsrechten auf
die Entwicklung von Ölfeldern in den Regionen Majnoon und Bin Ulmar
ein, liegen da mit Deutschland in einer Front. Und dies lässt die
US-Administration soviel „Galle spucken“: die Achse Russland – Deutschland
– Frankreich als eine gegen ihre Interessen sich entwickelnde Front.
Der Hauptfeind steht im eigenen Land
Schien es bis 1989 so, als
ginge von der Konfrontation zwischen dem kapitalistischen und sozialistischen
Lager die Gefahr einer atomaren Vernichtung der Menschheit aus, stellt
sich die Realität heute brutaler und gefährlicher dar. Handelte
es sich damals um die Frage, ob sich der Teil der Welt durchsetzt, der
den grundlegenden Bedürfnissen der Menschheit nach Frieden und sozialer
Sicherheit zum Durchbruch verhelfen konnte, stehen heute imperialistische
Nationen gegen auszubeutenden Nationalökonomien und imperialistische
Zentren gegeneinander.
Sozialabbau und Massenarmut
nach innen, Krieg nach außen, mit der Perspektive auch bisher verbündeter
imperialistischer Staaten gegeneinander, so sieht die schöne neue
Welt der Freiheit aus. Verbluten in Billigjobs, Ich-AG’s und Schützengräben
sollen die, die den Reichtum und leider auch die Kanonen dieser Welt mit
ihrer Arbeit schaffen.
Der Hauptfeind steht im
eigenen Land!
Stoppt den Krieg, bevor
er beginnt!
Friede den Hütten,
Krieg den Palästen!
Recht auf einen Kindergartenplatz?
Mehr als 300 Plätze fehlen
Selbst die Stadt Bonn und
die Ratsparteien kamen letztes Jahr dann nicht mehr drum herum: In Bonn
- insbesondere in Bad Godesberg und Beuel - herrschte der Notstand wegen
fehlender Kindergartenplätze. Nach offiziellen Berechnungen fehlten
in Bad Godesberg in 2002 232 Plätze in Beuel 117. In den nächsten
zwei Jahren sieht die Situation noch schlechter aus.
Zunächst stellt sich
die Frage, warum dies erst so spät auffiel. Dass in Neubaugebiete
Familien mit Kindern ziehen, ist eigentlich bekannt und wie viele von den
bereits in Bonn lebenden Kindern im Jahr 2002 und den folgenden Jahren
3 wird, dürfte wohl auch schon seit mehr als zwei Jahren bekannt sein.
Weiter kann davon ausgegangen
werde, dass real noch mehr Plätze fehlten und fehlen. Dies liegt an
der Berechnungsgrundlage, dem so genannten “Städtetagsmodell”. Darin
wird davon ausgegangen, dass ohne hin nur 95 Prozent der Kinder in den
Kindergarten gehen und nur 50 Prozent der Dreijährigen sofort einen
Platz benötigen, insbesondere letzteres ist sicherlich völlig
unrealistisch. Aber selbst bezogen auf diese bereinigten Zahlen fehlen
zahlreiche Plätze, wie die oben genannten auf diesem Modell beruhenden
Zahlen zeigen.
“Notlösungen” auf Kosten von Kindern
und ErzieherInnen
Nun, möglicherweise
erleichterte es diese “plötzliche” Notsituation billige und schlechte
“Lösungen” durchdrücken zu können. So sollen kurzfristig
in Bad Godesberg 165, in Beuel 160 neue Plätze geschaffen werden bzw.
wurden inzwischen teilweise auch geschaffen. Nur 70 dieser insgesamt 325
neuen Plätze werden durch einen Neubau bzw. die Erweiterung eines
bestehenden Kindergartens eingerichtet - falls das geschieht - bisher stehen
diese neuen Gruppen zum größten Teil nur auf dem Papier.
110 neue Plätze werden
dadurch gewonnen, dass die Zahl der Kinder in den bestehenden Gruppen um
2 erhöht wird. Bereits jetzt sind in Kindergartengruppen oft 25 Kinder
mit höchstens einer/m ErzieherIn und einer Ergänzungskraft. Eine
weitere Erhöhung geht auf Kosten der Kinder, weil die Qualität
der Betreuung und leidet, und natürlich auch auf Kosten der ErzieherInnen,
die jetzt schon oft sehr stark belastet sind. Inzwischen wurde sogar die
Erhöhung der Gruppenstärke auch 30 diskutiert, dies wurde aber
glücklicherweise vom Jugendhilfeausschus abgelehnt. Wie lange das
allerdings anhält, ist die Frage. Der Kölner Gutachter Axel Koetz,
der im Auftrag der Stadt die Situation der Bonner Kindergärten untersucht
hat, empfiehlt nämlich generell die Aufstockung der Gruppenstärke
auf 30 sowie die Organisierung der Kindergärten als GmbHs - ein erster
Schritt zu Privatisierung.
100 weitere Plätze
wurden bzw. werden durch Einrichtung von Gruppen in bereits bestehenden
Mehrzweckräumen in Kindergärten bereit gestellt. Dadurch sollen
Baukosten gespart werden. Ob solche Mehrzweckräume für dauerhafte
Gruppen geeignet sind, lässt sich aber bezweifeln, ganz zu schweigen
davon, dass sie ja sicher auch vorher von bestehenden Kindergartengruppen
genutzt und gebraucht wurden. Auch diese “Lösung” geht auf Kosten
einer guten Betreuung der Kinder.
Schließlich sollen
weitere 45 Plätze durch Spielgruppen mit maximal 9 Wochenstunden an
zwei oder drei Tagen pro Woche eingerichtet werden. Die Integration der
Kinder in eine feste Gruppe wird damit erschwert, ganz zu schweigen davon,
dass eine Berufstätigkeit der Eltern unmöglich gemacht wird.
Mit dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz
ist es nicht getan
Selbst wenn diese Politik
der Notlösung ein Ende nehmen würde und genügend Kindergärten
gebaut und ausreichend qualifizierte ErzieherInnen eingestellt würden,
muss man sich klar machen, dass damit das Betreuungsproblem keineswegs
gelöst wäre. Denn der Rechtsanspruch bezieht sich nur auf einen
Kindergartenplatz, d.h. auf eine Betreuung am vormittag und allenfalls
zwei Stunden am nachmittag. Zusätzlich fehlen aber in Bonn - genauso
wie anderswo - ausreichend Kindertagesstättenplätze, sowohl für
Kinder über 3 Jahren als auch für Kinder unter 3. Das wird etwa
an den langen Wartelisten in den entsprechenden Einrichtungen deutlich.
Auch Hortplätze für Grundschulkinder gibt es viel zu wenige.
An ein weiteren Ausbau dieser Betreuungseinrichtungen wird nicht gedacht,
im Gegenteil: Es wurde diskutiert, in städtischen Einrichtungen keine
Hortplätze bzw. Plätze für unter Dreijährige zu vergeben,
um mehr Kindergartenplätze vergeben zu können.
Druck machen
Ändern wird sich an
der jetzigen Situation nur etwas, wenn betroffene Eltern sich nicht mit
Notlösungen zufrieden geben, sondern ihre Ansprüche beim Kinder-
und Jugendamt anmelden und sich dort auch nicht abwimmeln lassen. Als einzelne,
aber auch organisiert, d.h. andere ansprechen, Initiative ergreifen, gemeinsame
Aktionen planen.
Kein Geld?
Bei solchen Aktionen wird
von Seiten der Stadt und der Ratsparteien immer wieder auf die fehlenden
finanziellen Mittel hingewiesen. Tatsächlich sind die Kommunalhaushalte
schlecht ausgestattet. Dies liegt teilweise an deren eigener Politik, durch
Privatisierung werden langfristig die Haushaltslücken immer größer,
da ja nur langfristig profitable Bereiche überhaupt privatisiert werden
könne. Dies liegt aber auch z. B. an der Steuerpolitik, die kommunale
Steuern immer weiter reduziert. Insgesamt ist jedoch Geld genug da, es
landet nur an den falschen Stellen, z. B. in Rüstung und Kriegsführung
und bei den Gewinnen der Konzerne. Das Argument “Kein Geld” greift als
nicht, und niemand sollte sich davon von der Durchsetzung notwendiger und
berechtigter Forderungen abhalten lassen.
Was
machen die eigentlich in Berlin?
Was sie gefälligst
machen sollten, ist ihnen ja früh genug beigebogen worden. Ende April
hat Michael Rogowski, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie (BDI), jedenfalls nicht hinterm Busch gehalten, als er die Richtlinien
seines Verbandes für die kommende Legislaturperiode präsentierte.
Mutige Schritte erwarte man von der neuen Regierung bei der Deregulierung
der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes, natürlich auch bei der Umverteilung
von unten nach oben. Es sollte aufhören, "dass sich die Gewerkschaften
wie eine Neben-, ja sogar wie eine Hauptregierung gebärden". Für
den BDI sind Streiks "martialische Instrumente aus dem vorletzten Jahrhundert".
An die Stelle gehörten "neue Konzepte der Lohnfindung", sowie weitgehende
Autonomie der Betriebe in Lohn- und Arbeitszeitfragen. Abzuschaffen seien
Kündigungsschutz, Mitbestimmung, Versicherungspflicht für geringfügig
Beschäftigte. Einzuführen sei ein flächendeckender Niedriglohnsektor.
Was die Steuerpolitik betrifft, besteht der BDI auf weiteren spürbaren
Entlastungen für die Unternehmer. Ja zur deutschen Militärpolitik,
Erhöhung des Wehretats, wachsende Qualität und Quantität
deutscher Militäreinsätze. Die deutsche "Technologieführerschaft"
bei Kleinwaffen, Munition und Lenkflugkörpern sei zu sichern.
Drei Tage nach der Wahl
setzte BDI-Chef Rogowski noch eins drauf, wörtlich im "Handelsblatt":
"Das Kartell der Tarifverträge muss geknackt werden. Wir müssen
einen Niedriglohnsektor schaffen. Wir müssen Arbeit statt Arbeitslosigkeit
unterstützen. Eigentlich müßten fast alle Gesetze auf dem
Gebiet des Arbeitsmarktes, die in der vergangenen Legislaturperiode erlassen
wurden, ersatzlos gestrichen werden."
Ist da noch einer, der nicht
weiß, wer in Berlin regieren lässt?.