Rote Blätter
Zeitung der Deutschen Kommunistischen
Partei in Bonn
| Inhalt: |
Haltet
die Diebe!
Was
uns mit der “Privatisierung” wirklich droht
Bonn hat mit 5705 DM je Einwohner die mit
Abstand höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Nordrhein-Westfalen. Der
Kölner Regierungspräsident (RP) genehmigte den Doppelhaushalt
2001/2002 zwar, empfahl jedoch dringend, den „Leistungskatalog der Stadt
systematisch auf Einsparmöglichkeiten zu durchforsten“ und „aufgabenkritische
Vorschläge zu entwickeln und umzusetzen“ (Bonner Generalanzeiger GA
vom 18.07.01)
Damit dürfte er der stärksten
Fraktion im Bonner Stadtrat, der CDU, und ihrer Mehrheitsbeschafferin,
der FDP, aus dem Herzen gesprochen haben. Denn diese predigen schon seit
Jahren, dass die kommunalen Dienstleistungen auf den Prüfstand gehören:
„Privatisierung“ heißt das Zauberwort, das den Weg aus der kommunalen
Finanzmisere weisen soll. Städtische Wohnungen, die Müllwirtschaft,
die Stadtgärtnerei, Schwimmbäder – alles was zu Geld zu machen
ist, soll an private Investoren verhökert und mit den Erlösen
die Finanzlöcher im Stadtsäckel gestopft werden. 400 bis 500
Millionen DM sollen so in den nächsten Jahren eingenommen und die
Handlungsfähigkeit der Kommune wiederhergestellt werden.
Was uns Bonnerinnen und Bonnern dabei
wohlweislich verschwiegen wird: wir, die bisherigen Besitzer dieser kommunalen
Betriebe und Anlagen, werden damit kalt enteignet. Was mit Steuergeldern
aufgebaut und unterhalten wurde, um damit elementare Bedürfnisse der
Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zu befriedigen, wird mit
dem Ziel der privaten Profitaneignung verkauft und wir haben noch nicht
einmal Einfluss auf die Verwendung der Verkaufserlöse!
Und es sage niemand, dieser Besitzwechsel habe keine Folgen. Die Erfahrungen aus anderen Städten, in denen die Privatisierung bereits weiter fortgeschritten ist, sprechen eine deutliche Sprache:
Die Dienstleistungen werden teurer und schlechter
Gebühren und Eintrittspreise steigen und da das Profitprinzip herrscht, werden nicht so lukrative Dienste eingeschränkt oder ganz eingestellt (z.B. Öffnungszeiten gekürzt und Buslinien gestrichen). Was uns z.B. im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf städtischer Bäder droht, machte die Junge Union Bonn jüngst deutlich, als sie eine Angleichung der Eintrittspreise an die Kinopreise vorschlug (siehe GA vom 26.06.01).
Die Bedingungen für die Beschäftigten verschlechtern sich
Da diese nicht mehr Angehörige des öffentlichen Dienstes sind, drohen ihnen niedrigere Tarife, geringere Schutz- und Mitbestimmungsrechte, schlechtere Arbeitsbedingungen, oft sogar der Verlust des Arbeitsplatzes. Unter den nun privatwirtschaftlichen Bedingungen, werden weniger Ausbildungsplätze angeboten, haben Frauen geringere Chancen und werden die Belange von Menschen mit Behinderungen mit Füßen getreten.
Die Finanzsituation der Kommune verbessert sich nicht
Allen Beteuerungen zum Trotz tritt höchstens
eine kurzfristige Entlastung ein: die Verkaufserlöse sind nach wenigen
Haushaltsjahren aufgebraucht und die Lage stellt sich dann eher noch schlimmer
dar: da ja die Bereiche verkauft wurden, die kostendeckend oder mit Gewinn
arbeiteten, ist für die chronisch defizitär arbeitenden Bereiche
nun kein Ausgleich mehr vorhanden. Daher werden auch in diesen in städtischem
Eigentum verbliebenen Bereichen dann die Daumenschrauben angezogen, Preise
erhöht und Dienstleistungen drastisch eingeschränkt.
In Bonn wurde zwar noch nicht privatisiert,
aber seit Jahren darauf hingearbeitet: mit der Aufsplittung der Stadtwerke
in verschiedene Tochtergesellschaften wird der Verkauf vorbereitet, wurden
die Bereiche, die Gewinn abwerfen und Käufer finden sollen, von den
anderen defizitären Bereichen getrennt.
Beispiel Müllverwertung als lukratives Geschäft:
Damit die 1992 für 300 Mio DM gebaute
MVA möglichst rentabel läuft (und gute Verkaufserlöse zeitigt)
müssen alle Öfen ausgelastet werden. Da es in Bonn nicht genug
Restmüll gibt, wird Müll aus anderen Regionen zu Schleuderpreisen
(weit unter denen, die wir Bonner bezahlen!) verbrannt und erwägt
die CDU allen Ernstes, den Biomüll mitzuverbrennen. Das geschieht,
wenn das hehre Prinzip des Vorrangs der Müllvermeidung und der Müllverwertung
unter privatkapitalistische Räder kommt.
Die 350 Beschäftigten der Bonner
Müllabfuhr haben - die Erfahrungen ihrer Kollegen in anderen Städten
Haltet die Diebe
Fortsetzung von Seite 1vor Augen - für
den Fall des Verkaufs vorgesorgt: in einem Arbeitskampf haben sie durchgesetzt,
dass sie keine finanziellen Einbußen hinnehmen müssen und bis
2016 vor betriebsbedingten Kündigungen sicher sind. Dies gilt allerdings
nur für die bisher bereits Beschäftigten, alle neuen Kollegen
würden unter den Tarifbedingungen der privaten Abfallwirtschaft eingestellt,
die wesentlich schlechter sind als die des öffentlichen Dienstes.
Beispiel Öffentlicher Personennahverkehr als chronisches Zusatzgeschäft:
„Deckelung des Defizits“ heißt die
Parole. Mit anderen Worten: es darf nicht mehr Geld in diesen Bereich fließen
als bisher. Seit Jahren herrscht in diesem Bereich Personalmangel, wurde
z.B. der Busverkehr nur mittels Überstunden und Zusatzschichten abgesichert.
Jetzt wurde den BusfahreInnen ein neuer Dienstplan verordnet, der das nicht
mehr möglich macht. Dieser „Horrorkatalog“ (wie ihn der Betriebsrat
charakterisiert) sieht nur noch 10 Stunden Zeit zwischen den Schichten
vor, dafür aber Schichtzeiten bis zu 14 Stunden. Jeder Gang zur Toilette
wird als Pause angerechnet. Und weitere Verschlechterungen wurden bereits
angedroht.
Und in der örtlichen Presse häufen
sich Berichte und Klagen über Überfüllung von Bussen, Verspätungen
oder Ausfälle, wird wieder die Streichung ganzer Linien in die Diskussion
geworfen...
Zwei Beispiele, die zeigen, dass bereits
im Vorfeld der Privatisierung Widerstand angesagt ist. In vielen Städten
und Gemeinden wehren sich die Bürgerinnen und Bürger gegen den
Ausverkauf öffentlichen Eigentums, den bei diesem „Verkauf des Tafelsilbers“
– wie es oft verharmlosend heißt, werden uns mehr als silberne Löffel
gestohlen. Auch in Bonn erwägt der Mieterbund ein Bürgerbegehren
gegen den Verkauf der VEBOWAG-Wohnungen, gibt es ähnliche Überlegungen
bei der SPD gegen den Verkauf der MVA.
Aber wer Nein zur Privatisierung sagt,
muss natürlich auch Alternativen aufzeigen. Und da gilt es aufzuzeigen,
dass die Finanznöte der Kommunen nicht – oder zumindest nicht nur
– das Ergebnis örtlichen Missmanagements sind, sondern ein strukturelles
Problem:
Seit Jahren werden den Städten und
Gemeinden von Bund und Land ständig neue Aufgaben zugewiesen während
gleichzeitig die kommunalen Haushalte immer kürzer gehalten werden,
wachsende Sozialhilfeausgaben (vor allem als Folge von Langzeitarbeitslosigkeit),
die Steuer“reform“ und die mehr oder weniger legalen Steuertricks, mit
denen sich die großen Konzerne vor den Gewerbesteuern drücken
sind nur einige Stichworte. Gerade letzteres hat ja auch Bonn über
eingeplante Telekom-Gewerbesteuern, die dann nicht geflossen sind, ins
Schleudern gebracht.
Mit dem Landeshaushalt 2002 kommen auf
die NRW-Kommunen weitere Belastungen in der Höhe von ca. 450 Mio DM
zu. Dabei hat Finanzminister Steinbrück gerade dieser Tage einen Rekordfehlbetrag
von ca. 4 Milliarden DM bei den Städten und Gemeinden unseres Bundelandes
beklagt.
Was also ist zu tun?
Kurzfristig würde ein Zinsmoratorium
schnell mehr Handlungsspielraum schaffen: Einfrieren der Zinszahlungen
mit dem Ziel, diese schrittweise zurückzufahren. Denn auch bei den
Zinsausgaben und bei der Schuldendienstbelastung für 2000 befindet
sich Bonn an der Spitze in NRW.
Parallel dazu müsste ein Umbau der
öffentlichen Finanzen zugunsten der untersten Ebene stattfinden: die
Städte und Gemeinden müssen entsprechend ihrer Aufgaben mit verlässlichen
Finanzquellen ausgestattet werden. Sie dürfen nicht am Tropf der großen
Konzerne hängen, die bei geringeren Profiten plötzlich fest einkalkulierte
Steuern nicht mehr bezahlen (oder – wie aktuell im Falle des Bayer-Konzerns-
sogar geleistete Vorauszahlungen wieder zurückfordern!)
Und es müsste sich eine völlig
andere Logik durchsetzen, was die Bedeutung kommunaler Dienstleistungen
angeht. Eine sozialen und ökologischen Zielen verpflichtete Versorgung
mit Nahverkehr, Strom und Wasser, für breite Bevölkerungsschichten
erschwingliche Angebote im Bildungs-, Kultur und Freizeitbereich (um nur
einige Beispiele kommunaler Aufgaben zu nennen) – all das darf nicht durch
die betriebswirtschaftliche Brille des „Sich Rechnens“ gesehen werden,
sondern muss unter dem volkswirtschaftlichen Aspekt der Sicherung grundlegender
Menschenrechte auf saubere Umwelt, Wohnung, Bildung.... betrachtet
und gesichert werden. Oder wie ein Friesdorfer Bürger es anlässlich
einer Diskussion über die angedrohte Schließung des Friesdorfer
Freibades formulierte: „Es gibt grundsätzliche Aufgaben der Gesellschaft,
die nicht allein über den Kostenaspekt entschieden werden dürfen“
(GA 23.08.01)
| Willy Wimmer, CDU-Bundestags-abgeordneter
aus Neuss, nannte es ein Stück aus dem Tollhaus, wenn deutsche Soldaten
in Mazedonien Waffen einsammeln sollen. Es handelt sich um Schießzeug,
mit dem die USA die albanischen UCK-Terroristen für ihr blutiges Handwerk
“aufgebaut” hatten und das über die von deutschen Soldaten “bewachte”
Grenze vom Kosovo nach Mazedonien verfrachtet worden war. Selbst militärische
Erfolge der mazedonischen Regierung wurden vereitelt: 400 eingeschlossene
Terroristen durften unter amerikanischem Schutz in klimatisierten US-Bussen
und mit ihren Waffen ins Kosovo zurückfahren. Dort bauen die USA ihre
größte ausländische Militärbasis seit dem Vietnamkrieg.
Der Balkan ist militärisches Sprungbrett zu größeren Zielen:
Südflanke der Ukraine und Rußlands, vor allem Kaukasus und kaspisches
Meer.
Von
Skopje nach Stalingrad?
Strategischer
Korridor
|
USA schicken nicht einen Mann
zum Waffensammeln. Und augenzwinkernd verrät das deutsche Kriegertrio,
dass man nur einen Bruchteil der Waffen einsammeln werde. Aber das sei
bei der “wesentlichen Ernte”, wie das krumme Ding heißt, auch nicht
wesentlich. Es ginge um die “Symbolkraft”, wofür Scharping plötzlich
eine halbe Milliarde DM - vielleicht aus gekürzter Sozialhilfe - von
Schröder erhält.
Kapitalistische
Konkurrenz
“Diesem System keinen Mann und keinen
Groschen,"
Kapitalismus führt zu Krieg! |
Mit tiefem Entsetzen haben wir KommunistInnen
die verabscheuungswürdigen, skrupellosen Terroranschläge vom
11. September 2001 verurteilt und den Angehörigen der nach Tausenden
zählenden Opfer unsere Anteilnahme ausgesprochen.
„Diese Terroranschläge haben nichts
mit politischem Befreiungskampf zu tun. Für die Täter, wer immer
es sei, kann es nicht den Anflug von Verständnis oder Solidarität
geben“, erklärte der Parteivorsitzende der DKP, Heinz Stehr.
„Alle Menschen sind gleich“, so steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in vielen weiteren Dokumenten wie der Menschenrechtscharta. Doch schauen wir uns um auf der Welt: Nein, die Menschen sind nicht gleich. Gleich geboren, aber nicht gleich ernährt; gleichermaßen würdig, aber nicht gleichermaßen beschützt; gleichberechtigt, aber nicht gleich behandelt. Wer hungert, wird eben nicht satt. Wer zwischen Folterkellern lebt, lebt in der täglichen Angst um seine Haut. Wer verfolgt wird, kann sich kein Wohnzimmer einrichten. Wer keine Macht hat, ist ohnmächtig. Und wer sich verachtet fühlt, lernt den Hass.
Erleben wir ein Massaker an Afrikanern oder Arabern als die gleiche Katastrophe wie ein Massaker an Europäern oder US-Amerikanern? Ist es nicht so, dass wir in Afrika oder im Nahen Osten den rohen Umgang miteinander beinah für normal halten? Doch würden wir es verstehen, wenn ein Afrikaner oder ein Palästinenser ein Blutbad in Europa oder in den USA schlicht für das selbstverständliche Produkt einer Zivilisation hielte, die Auschwitz oder Hiroshima hervorgebracht hat?
Abbau demokratischer Rechte
Der Umfang und die Heftigkeit der Anschläge gegen die USA mögen überraschend gewesen sein, doch überrascht es auch, dass die USA in diesen Zeiten das Opfer von gewalttätigen Attacken wird? Muss es uns wundern, dass in den durch Kriege und Armut und Umweltzerstörung verwüsteten Teilen der Erde nach einfachen Lösungen gerufen wird, nach Rache? Wollen wir nicht begreifen, dass der Terror nicht nur eine bösartige, sondern auch eine verzweifelte Antwortauf die Aufteilung der Welt in Arm und Reich, in Sklaven und Herrscher ist? Überall auf der Welt leben Menschen in einer Situation der permanenten Demütigung und des ökonomischen Desasters. Und überall mischen die USA mit - selbstlegitimiert durch die vermeintliche Verteidigung der Freiheit, aber in Wahrheit immer auf der Seite des Geldes und besessen von der Durchsetzung des eigenen Werte- und Wirtschaftssystems. Wer Wind sät, wird Sturm ernten!
Die Situation wird von den Staatsmännern der westlichen Welt genutzt. Gerade eben noch ließen sie die Massenproteste in Genua und Göteborg zusammen knüppeln und schreckten auch vor der Ermordung eines Demonstranten nicht zurück; und so sind sie auch jetzt nicht bereit, die Ungleichheit in der Welt zu beseitigen. Stattdessen werden im Handstreich im Namen des „Kampfes gegen den Terrorismus“ demokratischen Rechte in nie gekanntem Ausmaß abgebaut. Der Datenschutz steht ebenso zur Disposition wie die individuellen Schutzrechte der BürgerInnen. Polizei und Militär werden aufgerüstet, die Steuern zur Finanzierung dieser Maßnahmen im Eilverfahren erhöht.
Wie könnten wir besser der vielen Toten gedenken, der zahllosen Opfer von sinnloser Gewalt und gezieltem Terror, als mit dem gemeinsamen Bemühen darum, dass sich die Welt tatsächlich ändert?!