| Deutsche
Bank
Was
ist der Einbruch in eine Bank,gegen die Gründung einer Bank?
Welcher Normalverdiener kann
heute schon sagen, wie im laufenden Jahr, wenn überhaupt, sein Einkommen
steigen wird? Die Deutsche Bank kann das. Bankchef Breuer verkündete
auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt/ M, am 29. März d.J., die
Bank werde ihren Konzerngewinn nach Steuern im laufenden Jahr um mindestens
15 Prozent steigern. Das gelte auch für das nächste und übernächste
Jahr.
Im vorigen Jahr hat die
Deutsche Bank einen Konzerngewinn nach Steuern von 4,95 Milliarden Euro
erzielt. Das sind umgerechnet rund 9,8 Milliarden Mark. Das beste Ergebnis
in der Geschichte der Bank. Aber das ist schon Gewohnheit. Seit rund einem
Vierteljahrhundert konnte der Bankchef jährlich auf der Bilanzpressekonferenz
die gleiche Feststellung treffen.
Unwillkürlich fällt
einem Bert Brecht ein: "Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie, was ist
ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"
Vor einem Vierteljahrhundert
hat in der Bundesrepublik noch etwas anderes zu steigen begonnen. Die Arbeitslosenziffern
erreichten Anfang 1974 erstmals die Millionengrenze und stiegen seither
weiter und weiter. Wer da keinen Zusammenhang sieht, sollte schauen, was
auf der Bilanzpressekonferenz von Bankchef Breuer noch mitgeteilt wurde.
Die Bank werde ihre künftigen Gewinne mit einem Strategiewechsel sichern.
Es werde umstrukturiert. Und das werde bis 2003 rund 2 600 Arbeitsplätze
kosten.
Stolz verweist man im Vorstand
darauf, dass die Deutsche Bank schon mit ihrem Vorjahrsergebnis endgültig
in die Weltspitzengruppe der Banken aufgerückt ist.
Wer hätte das gedacht?
Als die Deutsche Bank 1870,
in einem eher bescheidenen Ladenlokal, in Berlin, in der Französischen
Straße gegründet wurde. Niemand ahnte, was sich daraus
entwickeln würde. Wie auch, bei 200 000 Talern (Silbertaler etwa drei
Mark) Gründungseinlage und gerade 'mal 60 Kontoinhabern.
Die Gründerjahre waren
angebrochen. Unter den 1872 in Preußen gegründeten 122 Aktiengesellschaften
befanden sich allein 49 Banken und Kreditinstitute mit einem Aktienkapital
von 345 615 000 Mark. Die Deutsche Bank lag gut im Rennen. 1895 hatten
sie und fünf weitere Berliner Großbanken schon 16, 1900 bereits
21 und 1911 gar 104 Filialen im Reichsgebiet. Ob Konjunktur, Rezession,
Krise, Krieg, es läpperte sich. Die Deutsche Bank hatte immer die
Nase vorn und die Finger in allen politischen Angelegenheiten. Vom 1. Weltkrieg
war noch keine Rede, als 1911 der Direktor der Deutschen Bank, v. Gwinner,
vor dem preußischen Herrenhaus erklärte, moderne Kriege könnten
nur mit Steuern und Papiergeld geführt werden. So kam's dann auch.
Die Deutsche Bank verdiente am Krieg, am Tod und am Massenelend. Nach der
Inflation 1923 beherrschten nur noch wenige Großbanken den Kapitalmarkt,
allen voran die Deutsche Bank. Sie hatte gemeinsam mit den IG Farben großen
Einfluss auf die Regierung Brüning. Da war zum Beispiel IG Farben-Vorstand
Hermann Schmitz, Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank und der Reichskreditgesellschaft,
zugleich einer der engsten Berater Brünings.
Gegen Ende der Krise,1932
sanierte der Staat die Dresdner Bank und erwarb 90 Prozent der Aktien.
So wurde sie vor dem an sich unvermeidlichen Zusammenbruch gerettet. Die
Sanierungsspritze lag bei der Deutschen Bank bei etwas mehr als einem Drittel
der Bankaktien. In der Nazizeit wurden die Staatsanteile dann einfach wieder
"privatisiert".
Zum Engagement der Deutschen
Bank für die Nazis bis zum bitteren Ende ein paar Beispiele: Nach
Berechnungen aus verschiedenen Quellen erzielten allein die bedeutendsten
fünf Konzerne unter den Nazis einen Reingewinn von 20 Milliarden RM.
Den Löwenanteil, fünf Milliarden, kassierte die Deutsche Bank.
Bei der Versorgung der Kriegswirtschaft
mit Krediten hatte die Deutsche Bank auch die Nase vorn, mit fast elf Milliarden
RM zwischen 1938 und 1943. Über den Generaldirektor des von der Deutschen
Bank beherrschten Mannesmann-Konzerns, Wilhelm Zangen, hatte diese Zugang
zum Rüstungsrat, zum Industrierat des OKH (Oberkommando des Heeres)
und zum Hauptausschuss "Wehrmacht und Allgemeines Gerät". Präsident
des "Werberats der Deutschen Wirtschaft" war das Vorstandsmitglied
der Deutschen Bank Heinrich Hunke. An den Werberat zahlten die Konzerne,
auch die Deutsche Bank, eine zweiprozentige "Werbeabgabe", für die
Kriegspropaganda des Goebbels-Ministeriums. Von Hunke stammt die Rechtfertigung
des Nazikriegs u.a. mit den Worten vom deutschen Ordnungs- und Führungsanspruch
in Europa, der Ausdruck der deutschen Volksgröße und der deutschen
Leistung für die Sicherheit des Kontinents sei.
Auch in den Spendenlisten
für den berüchtigten "Freundeskreis Himmler" taucht die Deutsche
Bank auf. Zum Beispiel 1943, Karl Ritter von Halt, für die Deutsche
Bank, mit 75 000 RM.
Am 8. Mai 1945 war der großdeutsche
Traum ausgeträumt. Auch die Deutsche Bank fühlte sich schwer
getroffen, als in der sowjetischen Besatzungszone ihre Niederlassungen
geschlossen wurden. Wenigstens bis 1989. In den Westzonen wurde - gemäß
dem Potsdamer Abkommen der Siegermächte - wenigstens zeitweilig
entflochten. Die Großbanken wurden zuerst in elf, später dann
in drei Bankinstitute mit regional beschränkter Tätigkeit aufgegliedert,
bei Fortbestand der Stamminstitute. Mit Bildung der NATO und der Wiederaufrüstung
in Westdeutschland war dann bald alles beim alten.
-pen
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