| Nummer 14, Februar/März 2000 |
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Kommunale Bildungsoffensive
Bonner Bündnis für
Bildung
Es bleibt abzuwarten, ob das „Bonner Bündnis für Bildung", das da Mitte Februar mit viel Medienrummel im Beisein von Bundesbildungsministerin Bulmahn und OB Dieckmann aus der Taufe gehoben wurde, halten wird, was es verspricht.
Tatsache ist jedoch, dass ein echtes "Bonner Bündnis für Bildung" mehr als überfällig ist: ein Bündnis von Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen, StudentInnen, HochschullehrerInnen, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - kurz aller von der Bildungsmisere Betroffenen.
Denn bereits nach wenigen Monaten ist klar - die neue Mehrheit in Bonn, die bei den letzten Kommunalwahlen mit vollmundigen Versprechen angetreten war und sich damit geschickt die Unzufriedenheit vieler, v.a. Eltern. zunutze gemacht hatte, wird es auch nicht richten:
Sicherlich, es wurden einige
Restaurierungsarbeiten durchgeführt, (die übrigens größtenteils
schon unter der letzten CDU-Regierung vor über 5 Jahren fällig
gewesen wären!). Kaum sind jedoch größere Summen gefragt,
versteckt sich auch die CDU hinter den „leeren Kassen“. Jüngster Skandal:
es wurde publik - was übrigens der Verwaltung und den wechselnden
Mehrheiten im Rathaus seit mehr als 10 Jahren bekannt ist! - dass in mindestens
26 Schulen in Bonn noch alte bleihaltige
Wasserrohre
existieren, die das Trinkwasser mit Schwermetallen belasten. Eltern und
Lehrer sind beunruhigt und entrüstet, denn inzwischen ist längst
erwiesen, dass diese Belastungen bei Kindern zu Langzeitschäden führen
können. Sorgt die CDU etwa für rasche Abhilfe? Nein, Gutachten
werden eingeholt, Prioritätenkataloge erstellt und Eltern und Lehrern
dringend geraten, darauf zu achten, dass die Kinder in der Schule kein
Wasser aus dem Hahn trinken! Kaum zu glauben in einer Stadt, die
in diesem Jahr Partnerstadt von UNICEF ist, der UN-Organisation, die sich
dem Kampf für die Rechte der Kinder weltweit verschrieben hat. Und
dazu gehört auch und gerade das Recht jedes Kindes auf körperliche
Unversehrtheit und Gesundheit. Es steht zu befürchten, dass sich auch
in dieser Angelegenheit nichts bewegen wird, wenn wir nicht endlich für
unsere Kinder Rabatz machen. Auch die anderen Missstände an
den Schulen, auf die wir vor den Kommunalwahlen aufmerksam gemacht hatten,
bestehen weiter - viel zu große Klassen, Unterrichtsausfall
und überalterte LehrerInnenkollegien, weil - trotz steigender Schülerzahlen
- in den letzten Jahren kaum neue Lehrer eingestellt wurden. Zwar
hat die Landesregierung (SPD/Bündnis 90 - Die Grünen) - offensichtlich
inspiriert durch die bevorstehenden Landtagswahlen - im neuen Haushalt
mehr Gelder für Lehrerlnnen beschlossen. Das ist jedoch nicht mehr
als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Und so fallen
auch in Bonn, das bekanntlich als „Wissenschaftsstandort“ ausgebaut werden
soll, nach wie vor bereits im Grundschulbereich viele Stunden aus.
Wenn man die Medien verfolgt, so scheint der Maßstab für eine gute Schule heutzutage vor allem die Frage zu sein, über wie viele Computer sie verfügt und ob sie Internetzugang hat. Aber eine sinnvoll Arbeit am Computer ist nur in Kleingruppen möglich und dafür braucht man mehr Lehrer, mehr Klassenräume und v.a. Lehrer, die für die Arbeit mit den neuen Medien auch ausgebildet sind! Sonst stehen die PCs als Zählgeräte in der Ecke. Aber mehr und besser qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer werden uns nicht auf dem Tablett serviert. Auch diese müssen wir Eltern wohl bei den23. Februar 2000 Verantwortlichen in der Landesregierung einklagen. Durch Aktionen, die auf unsere berechtigten Forderungen aufmerksam machen, und zwar nicht nur die Eltern einer Schule (wie in der Vergangenheit immer mal wieder geschehen ), sondern viele Eltern vieler Schulen am besten gemeinsam mit den jungen LehrerInnen, die seit ihrem Studienabschluss ohne Anstellung sind, weil es angeblich kein Geld für genug Lehrerstellen gibt.... Auch mit der Beachtung des vielbeschworenen Elternwillens ist es in Bonn nicht weit her: seit Jahren gibt es für die inzwischen 3 Gesamtschulen im Bonner Stadtgebiet ein „Vorgezogenes Anmeldeverfahren“ bereits im Januar, um den Kindern, die keinen Platz bekommen, die Möglichkeit zu geben, sich im Februar an den anderen weiterführenden Schulen bewerben zu können. Und auch die jetzt veröffentlichten Zahlen für das Schuljahr 2000/2001 sprechen wieder Bände: für die insgesamt 416 Plätze an den 3 Gesamtschulen haben sich 848 Schülerinnen und Schüler beworben (Doppelanmeldungen bereits abgezogen)!
Auf die Frage, ob sich damit nicht ein Handlungsbedarf in Richtung weiterer Gesamtschulen ergäbe, Martin Berg (schulpolitischer Sprecher der CDU- Mehrheitsfraktion im Stadtrat): "Dieses Fass werden wir nicht aufmachen." (Bonner Generalanzeiger vom 17.02.2000). Vielleicht sollten die Eltern, deren Kinder nun auf einer Schule ihrer zweiten Wahl landen werden, mal gegenüber Herrn Berg ein Fass aufmachen?
Rechtsextremist im Bonner Stadtrat
Die Antifa Bonn/Rhein-Sieg informiert in einer Presseerklärung über einen Rechtsextremisten im Bonner Stadtrat. Wir dokumentieren.
Während sich seit Wochen alle besorgten Blicke nach Österreich richten, sitzt von der Öffentlichkeit und dem Bonner Stadtrat offensichtlich unbemerkt, ein Rechtsextremist im Rat der Stadt. Es ist Dieter Haese vom Bürger Bund Bonn (BBB).
Gegründet nach dem Regierungsbeschluss
des Deutschen Bundestages bietet der Bürgerbund ein Betätigungsfeld
für unterschiedlichste politische Kräfte. Mit seine relativ offenen
Struktur und seinem lokalpratriotischen Ansatz bietet der BBB für
rechtsextremistische Agitation und Rekrutierung ein vielversprechendes
Forum.
Dieter Haese ist
in der Rechten Szene kein unbeschriebenes Blatt. Im Juni 1997 trug er seine
braune Gesinnung erstmals an eine breitere Öffentlichkeit. Im Rahmen
der von rechtsradikalen Gruppen initiierten „Anti-Euro-Aktionswoche“ trat
Haese
als Organisator für Bonn auf.
Die „Junge Freiheit“, das Hausblatt der „Neuen Rechten“ kündigte am 6.6.97 Demonstrationen und Infostände gegen den Euro auf dem Bonner Münsterplatz an. Als Kontakt wurde Haese genannt.
An diesen Infoständen verteilte Haese neben Schriften gegen den Euro auch Werbematerial des „Bündnis für Deutschland“. Diese Organisation hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Sammlungspartei für alle Rechtsextremisten zu bilden. Zur Gründungsversammlung am 29.6.1997 in Kassel lud Haese gemeinsam mit dem Ex-Republikanerfunktionäre Helmut Fleck aus Siegburg ein.
Unter den Teilnehmern waren
Mitglieder verschiedenster rechtsextremistischer Organisationen. Nach dem
Absingen aller Strophen des „Deutschlandliedes“ war die neue Partei gegründet.
Ihr Name: „Ab jetzt... Bündnis für Deutschland“. Bundesvorsitzender
ist Helmut Fleck, der für seine Partei im Siegburger Stadtrat
sitzt.
Gemäß des Gründungsgedankens
der Partei wurden bis heute mehrere Aufrufe an die Vorsitzenden von NPD,
DVU und REP versandt. Diese beinhalteten, sich der Partei anzuschließen.
Mittlerweile hat Haese seine Gesinnung im Bonner Stadtrat durchblicken lassen. In der Ratssitzung am 16.12.99 bezeichnete der den „Versailler Vertrag“ als die eigentliche Ursache des 2. Weltkrieges. Die Debatte um die Entschädigung der jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kommentierte er mit dem Hinweis auf den Verlust „der deutschen Ostgebiete“ nach dem 2. Weltkrieg. Zudem mokierte er sich über die raffgierigen US-amerikanischen „Opferanwälte“.
Um zu verhindern, dass Haese sein Stadtratsmandat weiterhin dazu nutzt, revanchistisches und antisemitisches Gedankengut zu verbreiten, sind die Parteien, Ratsfraktionen und er BBB aufgefordert Konsequenzen zu ziehen. Wir jedenfalls werden ganz genau hinsehen.
Antifa Bonn/Rhein-Sieg, 18.2.2000
Bonner Staatsanwalt:
Mord als "humanitäre
Intervention"
Die "Luftschläge" der NATO haben vielen unschuldigen Zivilisten in Jugoslawien einen grausamen Tod gebracht: Kinder und Alte, Frauen und Männer wurden ersäuft, erschlagen, zerfetzt und verbrannt. Die Bomben und Raketen, die sie umbrachten, haben sie nicht zufällig getroffen. Die Angriffe auf zivile Ziele wie innerstädtische Donaubrücken, Heizkraftwerke, Rundfunkgebäude, einen fahrplanmäßigen, international verkehrenden Eisenbahnzug, einen Linienbus, einen Marktplatz in Nis, kleine Dörfer und nicht zuletzt einen Konvoi albanischer (!) Flüchtlinge waren eiskalt geplant. Die Verantwortlichen wie Clinton, Blair, Schröder und Scharping sind bis heute unbehelligt geblieben. Nach wie vor üben sie ihre Regierungsjobs als Sprechpuppen des großen Geldes und der Rüstungsindustrie aus.
Eine
Strafanzeige gegen Schröder und Scharping wegen Mordes an den jugoslawischen
Zivilisten hat jetzt ein Bonner Oberstaatsanwalt zurückgewiesen. Das
sei alles straffrei, schreibt er. Schröder und Scharping hätten
"im Rahmen des ihnen zustehenden politischen Ermessens" gehandelt, als
sie über die Bombardierung von Zivilisten entschieden! Diese Bombardierungen
seien eine "humanitäre Intervention" gewesen.
Beispielsweise mußten
die albanischen Flüchtlinge in dem Konvoi umgebracht werden, um "eine
gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben der Kosovo-Albaner aufgrund
der Übergriffe der jugoslawisch-serbischen Militärkräfte"
abzuwenden. "Bei dieser Sachlage", schreibt der Oberstaatsanwalt aus Bonn,
"erübrigt sich eine weitere Aufklärung der erhobenen Vorwürfe."
Die NATO hätte diese Zivilisten aus purer Notwehr ins Jenseits befördert,
meint er. Für den, der sich jetzt immer noch nicht beruhigt ist, hat
der Oberstaatsanwalt ein Argument bereit, mit dem auch Hitler seinen völkermordenden
Terror "entschuldigte": Die Taten der Clinton, Blair, Schröder, Scharping,
Fischer seien durch "übergesetzlichen entschuldigenden Notstand entschuldigt."
Jetzt ist es amtlich: Schröder und Scharping, das sind die Gesetzlosen!
| Ausstellung in Bonn
Luftschläge In den Räumen von Kult
41 (Hochstadenring 41, Bonn) findet vom 23. März bis 3. April
2000 eine Ausstellung über die "Luftschlaege" der NATO gegen Jugoslawien
statt. Fotos zeigen die verbrecherische Brutalität, mit der die NATO
gegen die Zivilbevölkerung in Jugoslawien vorging.
Öffnungszeiten ab 24.3.: Werktags 15 bis 20 Uhr, samstags, sonntags 15-18 Uhr. |
Landtagswahlen: DKP kandidiert im Wahlkreis
Bonn II
Auf ihrer Wahlkreismitgliederversammlung
am 8. Februar stellt die DKP ihren Kandidaten fürd die Landtagswahl
auf: Wolf Göhring, 60, Diplom-Mathematiker, kandiert im Wahlkreis
Bonn II.
Berichtigung In der letzten Ausgabe der roten blätter gab es einen Druckfehler. Es wurde dort angegeben, dass ein Prozent Vermögenssteuer 1000 Milliarden Mark bringe. Tatsächlich sind es nur - wie auch im Text richtig stand - 100 Milliarden Mark. Wir meinen, auch für 100 Milliarden lohnt sich die Einführung der Vermögenssteuer. |
DKP-Forderungen zur Landtagswahl
Das Engagement der DKP zielt auf einen grundsätzlichen Bruch mit dem kapitalistischen Profitprinzip, das zu Krieg, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und Umweltzerstörung führt. Unser Engagement richtet sich gegen Parlamente und Abgeordnete, die – ob durch Bestechung, Millionenspenden oder angebliche Sachzwänge – immer nur eine Politik im Interesse des großen Geldes machen. Die wichtigsten Forderungen der DKP sind:
Wir bekennen es offen: Gerade dieses System wollen wir überwinden, und dafür wollen wir neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen. Auch das ist ein Grund, uns an diesen Wahlen zu beteiligen.
Bert-Brecht-Gesamtschule
muss pünktlich fertig werden!
| Lange hatte es gedauert,
bis der vielbeschworene (aber bei Gesamtschulen oft nicht respektierte)
Elternwille die dritte Gesamtschule 1998 in Bonn durchgesetzt hatte. Und
dass diese Bertolt-Brecht-Gesamtschule eine erfolgreiche Arbeit leistet,
zeigen nicht zuletzt die Anmeldungen für das nächste Schuljahr
(220 Anmeldungen für 150 Plätze.
Jetzt gibt es neuen Wirbel um die Schule: die ursprünglich veranschlagten Kosten für die Umgestaltung der Hauptschule an der Düne in das neue Gesamtschulgebäude fallen höher aus als geplant. Nun ist das bei solchen Großvorhaben eine normale Angelegenheit. Interessant aber ist - wie im Schulausschuss bekannt wurde - dass bereits 1997, als der Beschluss für die Schule fiel, bekannt war, dass die eingesetzten Kosten nicht realistisch sind: für die dieser Planung damals zugrundegelegten Richtwerte des Landes NRW für |
den Schulneubau sei keine Schule zu bauen. Das sei „allgemein bekannt“ - so der Vertreter der Verwaltung im Schulausschuss. Wäre dann nicht eine Initiative aus Bonn gegenüber der Landesregierung erforderlich, diese Richtlinien (die im übrigen seit Jahren nicht mehr angeglichen wurden) einmal auf eine realistische Grundlage zu stellen?! Tatsache ist: die jetzige Planung für die 3. Gesamtschule wurde auf das absolute Minimum für den erfolgreichen Betrieb einer solchen Schule zusammengestrichen. Da gibt es keinen Luxus (obwohl er gerade den Kindern im Tannenbusch mehr als zu gönnen gewesen wäre)! Daher unsere Forderung an die Verantwortlichen: Grünes Licht für die jetzt vorliegenden Pläne und Kosten damit die Schule pünktlich fertig wird. Denn das Provisorium in der ehemaligen Christian-Morgenstern-Schule wird bald aus allen Nähten platzen. |