| Nummer 13, Dezember 1999 |
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Hunderte von Arbeitsplätzen
in Sankt Augustin gefährdet
Geheimaktion zur Zerschlagung
der GMD
Ende September verkündete die Forschungsministerin Bulmahn (SPD) in Berlin die "Fusion" der "GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH" in Sankt Augustin mit der" Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V". (FhG) in München. Die etwa 10000 Beschäftigten bei FhG und GMD wurden ebenso wenig gefragt wie die zuständigen Beamten in den Ministerien. Der SPD-Ministerin genügte die Einigkeit mit ihrem Staatssekretär Thomas (SPD), mit dem Chef der GMD, Tsichritzis, mit dem der FhG, Warnecke, und mit dem Vorsitzenden des Senats der FhG, Nasko. Ach ja, und Nasko war mal im Vorstand von Siemens (sofern das was heißen will).
50 Mio weniger für die Region Bonn
Die Sache hat Haken und Ösen:
Die GMD mit ihren fast 1400 Leuten in Sankt Augustin, Berlin und Darmstadt
wird in ihre Institute zerbröselt, die im besten Fall wieder als Institute
in der FhG auftauchen. Der Betrieb in Birlinghoven wird sich auf dem gleichen
Gelände wie bisher in Gestalt von 4-6 einzelnen Betrieben wiederfinden
jeder mit eigenem, verkleinertem und schwächerem Betriebsrat. Die
Verwaltung der GMD landet in der Fraunhofer Zentralverwaltung, bevor sie
wegrationalisiert wird. Die Institute werden statt 2/3 nur noch 1/3 ihrer
Kosten durch eine stabile Grundfinanzierung erhalten, der "große
Rest" muß in Projekten mit der Industrie hereingeholt werden. In
der Summe sind das so um die 50 Millionen Mark, die der Bund jährlich
weniger in die Region Bonn stecken wird. Bis zu 400 Arbeitsplätze
können in der GMD auf der Strecke bleiben, in Sankt Augustin bis zu
300. Schon jetzt kursieren Listen, auf denen "nicht-Fraunhofer-fähige"
Mitarbeiter notiert werden. Diesen droht Entlassung. Die GMD soll "ein
bißchen durchgeschüttelt" werden, hat SPD-Staatssekretär
Thomas öffentlich erklärt.
Unsoziale Berliner Kriegsherren
Kann man beschwichtigenden
Gerüchten vertrauen? Kann man von der rosa-grünen Bundesregierung
soziale Rücksicht erwarten? Wer in Belgrad Zivilisten unter einem
Bombenhagel ermordet und Hilfe für den Wiederaufbau verweigert, wird
sich derjenige um sichere Arbeitsplätze in der Region Bonn kümmern?
Der behandelt, wenn's ihm paßt, den Bonn-Berlin-Vertrag als eine
Nebensächlichkeit und streicht die fraglichen, jährlichen 50
Millionen. Die 250 Millionen "Hilfe" für den Holzmann-Konzern bedeuten
nur, daß der Bund nach hartem Pokern die höheren Kosten an der
ICE-Neubaustrecke Köln- Frankfurt und an anderen Bauten zahlt. SPD-Schröder
spielt sich dabei als Retter der Bauarbeiter auf. Damit will er nur vergessen
machen, daß im "Sparpaket" die Sozialleistungen für die Schwächsten
der Gesellschaft um 11 Milliarden abgebaut wurden. Seit 1981 sind die Löhne
real nur um wenige Prozent gestiegen. Dagegen sind die Gewinne der Unternehmen,
die Einkommen der Selbständigen und die Vermögen der gut Betuchten
in dieser Zeit geradezu explosionsartig angewachsen. Trotzdem zahlen die
Unternehmen heute etwa 100 Milliarden weniger an Steuern als 1981. Diese
Politik des armen Staates" und der Schonung der Reichen, die die Kohl-Regierung
begonnen hat, setzt SPD-Schröder mit größtem Eifer fort.
Vielleicht geht es bei der
Versenkung der GMD in der FhG auch um einen Schritt im Wettrüsten
zwischen den USA und der EU. Scharping (SPD) neidet den USA die Aufklärungssatelliten
und die funkgesteuerten Laserbomben. Um gleichzuziehen soll für viele
Milliarden eine europäische, militärische Informationstechnik
auf die Beine gestellt und in den Orbit geschossen werden. Dazu braucht
man einen willfährigen Forschungsbereich, wofür sich eine gerüttelte
Mischung aus GMD und FhG gut anböte. SPD-Staatssekretär Thomas
hat anders als viele Beschäftigte der GMD keine militärischen
Hemmungen: Vor einigen Jahren wollte er, daß sich die GMD der Entwicklung
intelligenter" Minen widme. Diese Mordinstrumente sollten nach seiner Vorstellung
längs der Mauer" verlegt werden. Seither darf man Thomas zur Dynamit-Fraktion
der SPD zählen.
Die "schnelle Mark" mit kaputter Software verdienen.
Die deutsche Wirtschaft ist
ebenso wie Microsoft zum Beispiel lediglich auf die schnelle Mark erpicht.
Da kann nur Software entstehen, die an einer Lächerlichkeit wie dem
Datumswechsel vom 31.12.99 zum 1.1.00 scheitert und für -zig Milliarden
repariert werden muß. So stiehlt man den Kunden Zeit und Geld! Auch
die nachgebesserte Software für den "Elchtest" oder für Airbags
spricht nicht für industrielle Wertarbeit. In der gleichen Zeit, in
der die eingesetzte Computerpower verdoppelt wird, erhöht sich die
Produktivität der Wirtschaft um weniger als 10%! Aus Furcht vor Abhörsoftware
dürfen Minister nicht mehr mit einem Allerwelts-Handy in die Kabinettssitzung.
War's das auf dem Weg in die vielgepriesene Informationsgesellschaft?
Durch eine Zersplitterung
der GMD, durch das Anleimen der Splitter an industrielle Eintagsprobleme
wird nichts gewonnen. Wenn die GMD für Kriegsforschung gefügig
gemacht wird, noch weniger. Die Chance, daß sich die GMD an die künftigen
harten Probleme der Informationstechnik heranmachen kann, diese Chance
wird vertan. Bei der FhG hat die öffentliche Hand keinen ernstzunehmenden
Einfluß, bei der GMD aber hat sie diesen. Wer in der Informationstechnik
eine zukunftsfähige, zivile Forschung und sachgerechte Entwicklung
will, der muß sich für den Erhalt der GMD mit sicheren, solide
finanzierten Arbeitsplätzen einsetzen. Die SPD-Ministerin Bulmahn
jedoch hat insgeheim anderes angezettelt und dann lauthals verkündet.
Der neoliberale statt sozialdemokratische Kanzler Schröder hat kürzlich
bei der FhG in München dazu auch nichts besseres als Bulmahn geäußert.
Für eine zukunftsfähige Informationstechnik: Rettet die GMD!
Im Mai wird der Landtag in NRW gewählt. Zu Hause bleiben und nicht wählen, ist keine große Lösung, auch wenn fast jeder/jede zweite Wahlberechtigte sich dieser Art von schweigender außerparlamentarischer Opposition angeschlossen hat. Es geht auch anders: Es geht darum, diese große außerparlamentarische Opposition sichtbar und Druck auf die unsozial Herrschenden zu machen, die nicht mehr gebraucht werden! Es ist an der Zeit, beispielsweise mit einer Kundgebung in Bonn auf die abenteuerliche Forschungspolitik in diesem Land aufmerksam zu machen. Da könnten auch die Unis mit von der Partie sein, denn auch die bekommen weniger Geld und Stellen.
Es ist Sache der Gewerkschaften ÖTV und DAG, möglichst bald zu einer solchen Kundgebung aufzurufen!
Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen!
| Kommunalwahlen
Eine Nachlese Fast drei Monate nach den Kommunalwahlen, bei denen die CDU mit 52 Prozent der Wählerstimmen die absolute Mehrheit erhalten hat, wird klar, daß diese Partei ihre Pläne voll durchziehen wird. Einige Beispiele sind der Abbau von Radwegen, die Diskussion darüber, ob die Tannenbuscher Gesamtschule eine gymnasiale Oberstufe erhalten wird, die Ablehnung einer Weihnachtszuwendung für SozialhilfeempfängerInnen. Verwiesen wird von Seiten der CDU immer wieder auf die angeblich so hohe Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger bei den Wahlen. Doch da lohnt es sich, sich die Wahlergebnisse einmal genauer anzusehen. Die prozentualen Ergebnisse vermitteln auf den ersten Blick - und so wurde es auch in der Presse dargestellt - einen überwältigenden Wahlsieg der CDU. Sieht man sich statt der täuschenden Prozentzahlen aber die absoluten Zahlen an, so sieht man, daß auch die CDU absolut an Wählerstimmen verloren hat, wenn auch nicht in dem Maße wie SPD und Grüne. In Bonn hat die CDU gegenüber den letzten Kommunalwahlen 8442 Stimmen verloren, die Grünen 10766 und die SPD 26916. Die Wahlbeteiligung ist also enorm gesunken, in Bonn von 83,7 auf 57,2 Prozent. Immer mehr Menschen wird klar, daß SPD/Grüne zwar in einzelnen Fragen andere Positionen vertreten als die CDU, aber keine grundsätzliche Alternative bieten. |
Die DKP Bonn hat sich bei
diesen Kommunalwahlen an der offenen Liste der PDS mit 9 Kandidatinnen
und Kandidaten beteiligt und war auf Platz 2 der Reserveliste vertreten.
Die Wahlzeitung und die programmatischen Aussagen wurden gemeinsam erstellt.
Durch den Wegfall der 5-Prozent-Klausel hat diese Liste mit 1,5 Prozent
der Wählerstimmen ein Mandat im Rat der Stadt erhalten und Stefan
Schenke von der PDS ist nun Mitglied des Rates. Auch in anderen Städten
und Gemeinden Nordrhein-Westfalens sind mit dem Wegfall der 5-Prozent-Klausel
linke Listen in die Stadt- und Gemeinderäte und Bezirksvertretungen
eingezogen. Die PDS hat insgesamt über 50 Mandate erhalten, unter
den MandatsträgerInnen sind auch mehrere DKP-Mitglieder. Über
DKP-Listen sind 5 Mandate erreicht worden.
Dies ist zwar nur ein kleiner Erfolg, bietet aber Ansatzpunkte, linke Positionen in den Rat und die Öffentlichkeit zu bringen. Daran will sich die DKP beteiligen und ihr wichtige Themen und Forderungen einbringen. Dies macht jedoch nur Sinn, wenn die von der Mehrheitspolitik im Rat der Stadt Betroffenen selbst aktiv werden. Ein erster Schritt dazu ist Information, die über die oft einseitige Information in der Lokalpresse hinausgeht. Ein Mittel dazu, sollen in Zukunft die roten blätter sein, die insbesondere in der Altstadt verteilt werden sollen. In dieser Ausgabe geht u.a. um die drohende Arbeitsplatzvernichtung bei der GMD. Anfang des Jahres wird eine Ausgabe mit Schwerpunkt Schulpolitik erscheinen. Wir freuen uns über alle Zuschriften, Meinungen und Kommentare. |
| Fundsache
Ein Prozent Vermögenssteuer bringt 1000 Milliarden Mark "Das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) hat das Netto-Privatvermögen der Deutschen
für 1998 mit 12,6 Billionen DM berechnet. Bei einem Freibetrag von
einer Million DM kämen man - Steuersatz 1 Prozent - auf etwa 40 Milliarden
DM Vermögenssteuer jährlich..." (Immobilienvermögen stark
unterbewertet, betriebliches Vermögen fehlt, Auslandsvermögen
unvollständig erfaßt.) "... Bei vollständiger Erfassung,
marktgerechter Bewertung und Besteuerung auch des betrieblichen Vermögens
mit 0,5 Prozent - dies sind die Sätze, die bis 1996 galten - kämen
jährlich locker 100 Milliarden DM Vermögenssteuer zusammen, mindestens."
CDU mißachtet Bürgerwillen bei Straßenumbenennung Gleich in zwei Fällen
von Straßenumbenennungen stellt sich die Bonner CDU gegen den erklärten
Willen der Bürger. Im ersten Fall geht es um die seit Jahren geforderte
Umbenennungen der Walter-Flex-Straße in Marie-Kahle-Straße.
Walter Flex war ein rechtsradikaler Schriftsteller während die Bonner
Bürgerin Marie Kahle nach der Reichspogromnacht 1938 verfolgten jüdischen
Bürgern geholfen hat. Im anderen Fall will die CDU eine gerade erfolgte
Benennung eines Straßenabschnitts nach dem ermordeten salvadorianischen
Bischof und Menschenrechtskämpfer Oscar Romero rückgängig
(!) machen. Deutlicher kann die CDU eigentlich zeigen, wes Geistes Kind
sie ist, und daß ihr der Bürgerwille am Arsch vorbeigeht. Die
Auseinandersetzung wird also den Stadtrat auf den nächsten Sitzungen
weiter beschäftigen.
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Die CDU will uns zu klaren
Verhältnissen führen
Bereits am Tag nach der Kommunalwahl
hatte die Bonner CDU ihren Namen weg: Radwegabbau-Partei. Der noch hoffnungsschwangere
CDU-Kandidat für den OB-Posten, Stahl, James Stahl, der CDU-Vorsitzende
Hergarten und der Obmann der CDU-Ratsfraktion für Planung und Verkehr,
Hauser, machten klar, was sie unter ihrem "jetzt klare Verhältnisse
schaffen" verstanden wissen sollten: "Bündelung des Individualverkehrs
auf den Hauptachsen" - des vierräderigen, versteht sich. Abschaffung
"unnötiger Radwege". Abschaffung des Fahrrad-Beauftragten und des
Beauftragten für Multikulturelles. Umkrempelung der Planung für
den Bahnhofsvorplatz. Gar die Auflösung des Gesundheits- und Umweltschutzausschusses,
um nur ein paar Beispiele zu nennen.. Alles vor dem Hintergrund, daß
nicht einmal 29 Prozent aller Stimmberechtigten Bonner ihr Kreuzchen bei
der CDU gemacht hatten.
-pen |
| Ausländerbeirat
am 7. November gewählt
Das Problem lag prompt am
Wahlabend auf dem Tisch: Die Wahlbeteiligung von 8,3 Prozent. Nur für
den CDU-Sozialsprecher Großkurth war das ein Rätsel. Sozialdemokraten
und Grüne sahen die Sache schon klarer. Was fehlt, ist das kommunale
Wahlrecht für alle Ausländerinnen und Ausländer, die seit
längerem bei uns leben und arbeiten. Bis dahin bleibt der Ausländerbeirat
ein Organ ohne Kompetenzen. Er kann mitreden, aber nicht mitentscheiden.
Solange das so ist, bleibt der Ausländerbeirat eine Plattform, die
Probleme unserer ausländischen Mitbürger bekannt machen kann.
Und sicher muß er diese Möglichkeit stärker nutzen als
bisher.
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Lenin, Luxemburg,
Liebknecht
Ihr Vermächtnis bleibt unser Auftrag! ![]()
Krieg dem Krieg! - Gemeinsam gegen Kriegspolitik und Sozialraub! Kommt alle zur diesjährigen LLL-Großdemonstration anläßlich des 81. Jahrestages der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht! Sonntag, 9. Januar 2000 in Berlin Wie in den vergangenen Jahren
werden aus unserer Region Busse nach Berlin fahren (Fahrpreis mit Übernachtung
90,- DM, nur Fahrt 50,- DM). Die Anreise erfolgt am Samstag. Informationen
über Abfahrtszeiten, -orte gibt es unter Teo. 0221/523445 oder über
das DKP-Bezirksbüro, Am Stadtpark 68, 51373 Leverkusen, Tel. 0214/49323.
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