Eingreifen in aktuelle Auseinandersetzungen - unsere Forderungen
Der reaktionäre Umbau der Gesellschaft bestimmt die gesellschaftlichen Konfliktfelder. Um mitzuhelfen, diese Politik zu stoppen, geht es uns aktuell vor allem darum, folgende Positionen in die Auseinandersetzungen einzubringen:
Die DKP unterstützt
alle Bewegungen gegen den Einsatz der Bundeswehr in Jugoslawien. Sie entwickelt
eine Kampgagne mit eigenständigen Beiträgen, um die Kriegspolitik
zu stoppen.
Der deutsche Imperialismus
ist die Quelle für die Existenzbedrohung der Bevölkerung. Wir
lehnen jegliche Einsätze der Bundeswehr außerhalb der Landesgrenzen
genauso entschieden ab wie ihren Mißbrauch als Bürgerkriegstruppe
nach innen und setzen uns dafür ein, daß der Grundsatz "Nie
wieder Krieg von deutschem Boden" durchgesetzt wird. Wir wollen sofort
die energische Kürzung des Rüstungsetats, das Verbot aller Rüstungsexporte,
den Verzicht auf den "Eurofighter 2000", die Entwicklung einer Perspektive
zur Auflösung der Bundeswehr. Schluß mit dem Bundeswehreinsatz
in Jugoslawien und mit der Beteiligung am Völkermord am kurdischen
Volk. Wir fordern den Austritt der BRD aus der NATO sowie die Auflösung
der NATO, den Verbot von Waffenexporten, die drastische Reduzierung der
Bundeswehr, die Vernichtung aller Offensivwaffen und den Ausstieg der BRD
aus dem Eurokorps. Die DKP verteidigt entschieden das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung.
In den Mittelpunkt gesellschaftspolitischer
Fragen rückt das Problem: Was sind Werte und Inhalte eines menschlichen
Lebens? Welche Rolle spielt dabei die Arbeit im umfassenden Sinne?
Dabei geht es um soziale,
politische, kulturelle, ökologische und emanzipatorisch-demokratische
Inhalte. Wir werden aktiv für das Recht auf Arbeit. Dazu sind notwendig:
Weitere Schritte zur Verteilung der Arbeit auf möglichst Viele durch
Verkürzung der Arbeitszeit, vor allem durch weitestmögliche Umwandlung
von Mehrarbeit in Arbeitsplätze durch Abbau und Abfeiern von Überstunden
bei Erhalt der tariflichen Zuschläge (in Geld oder Freizeit), flächendeckende
Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in allen Wirtschaftsbereichen in ganz
Deutschland und weitere Schritte in Richtung 32- oder 30-Stunden-Woche.
Notwendig ist weiter der Erhalt aller ökologisch vertretbaren Standorte
und Arbeitsplätze, auch durch den Umbau der Produktionen und Arbeitsverhältnisse
und der Techniken und Technologien. Gleichberechtigte Teilnahme Behinderter
am Arbeitsprozess entsprechend ihrer jeweiligen Möglichkeiten. Schaffung
neuer Arbeitsplätze durch Beschäftigungsprogramme; Durchsetzung
einer gesellschaftspolitisch wirksamen Mitbestimmung, die sich das Ziel
setzt, Wirtschaft nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten umzubauen.
Es geht um die Einforderung der Verpflichtung aus Artikel 14 des Grundgesetzes,
nachdem Eigentum dem Allgemeinwohl zu dienen hat. Dazu müssen zunächst
der Machtmißbrauch der wirtschaftlich Mächtigen und ihrer Parteien
eingeschränkt sowie die Eigentumsrechte der Besitzenden zugunsten
der Interessen der Bevölkerung beschnitten werden.
Zu den Werten des menschlichen Lebens gehören die Reproduktionsbedingungen. Das Gesundheitssystem, die Altersversorgung, Bildung und Kultur, Wissenschaft und Forschung, all dies muß dem Ziel dienen, die Lebensqualität zu erhöhen. Die gesamte Infrastruktur muß dem Ziel dienen, Mensch und Natur immer mehr so zueinander zu entwickeln, daß die Lebensqualität erhöht und die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und wiederhergestellt werden können.
Wieder einmal sind Frauen
die ersten Opfer der reaktionären Politik. Arbeitslosigkeit, Armut
und Sozailabbau treffen überproportional viele Frauen. Selbst gleicher
Lohn für gleiche Arbeit ist noch nicht verwirklicht. Mädchen
werden nach wie vor in der Bildung benachteiligt. Frauendiskriminierung,
Sexismus und Gewalt gegen Frauen sind Bestandteil dieser Gesellschaft.
Wir wenden uns gegen alle
Bestrebungen, "Kirche, Küche und Kinderzimmer" als wahre Bestimmungen
der Frau wieder verstärkt zu propagieren. Wir kämpfen für
die Beseitigung der in der Gesellschaft existierenden Benachteilung von
Frauen. Wir fordern die Möglichkeit einer existenzsichernden sinnvollen
Berufstätigkeit und die Alterssicherung für alle Frauen, die
Sicherung einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung für alle Mädchen
und Frauen.
Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihr eigenes Leben muß durchgesetzt werden. Der neue Paragraph 218 gewährt ihnen keine Selbstbestimmung, verletzt ihre Würde und muß abgeschafft werden.
Die Verteidigung des Erkämpften
auf sozialem Gebiet ist die Voraussetzung, um relative Sicherheit einer
Lebensperspektive zu erreichen.
Konkret muß der jetzt
stattfindende Abwehrkampf vor allem das Ziel haben, Reallöhne zu sichern,
Tarifautonomie zu erhalten, Inhalte der Manteltarifverträge und Betriebsvereinbarungen
zu schützen, wenigstens das jetzige Sozialversicherungssystem und
die Rechte der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger zu verteidigen.
Dazu gehört auch die Verteidigung der Errungenschaften der DDR, zum
Beispiel der Enteignung der Kriegsverbrecher und Großgrundbesitzer,
aber auch noch vorhandener gesellschaftlicher Einrichtungen. Generell ist
die Verteidigung gesellschaftlichen und staatlichen Eigentums in der gesamten
Bundesrepublik Deutschland nötig. Bahn und Post müssen in Gemeineigentum
unter gesellschaftlicher Kontrolle überführt werden. Durchgesetzt
werden muß: Eine Reallohnerhöhung, die auch als gesellschaftliche
Auseinandersetzung um die Umverteilung zugunsten der Arbeitenden und Arbeitslosen
erkämpft wird. Eine Mindestsicherung für die Armen, Sicherung
und Durchsetzung des Rechtes auf Bildung und Berufsausbildung. Der öffentliche
Dienst muß im Dienste der Menschen stehen. Die finanzielle Ausblutung
der Kommunen muß gestoppt werden. Armut, Obdachlosigkeit, fehlende
Wohnungen sind sofort durch Umverteilung von Haushaltsmitteln und durch
stärkere Besteuerung der Reichen zu bekämpfen. Wer den Reichen
- Millionären, Großaktionären, Konzernen, Banken und Spekulanten
- nichts nimmt, kann den Armen nichts geben!
Stoppt die Zerstörung unserer Erde! Wir kämpfen gegen rücksichtslose Profitmacherei auf Kosten der jetzigen und künftigen Generationen. Die natürlichen Ressourcen werden ohne Rücksicht auf biologische Regenerationszyklen aufgebraucht. Wasser und Luft werden vergiftet, die klimastabilisierenden Wälder abgeholzt, Hunderttausende von Tier- und Pflanzenarten ausgerottet, die zum biologischen Gleichgewicht der Umwelt beitragen.
Von entscheidender Bedeutung
für den Ausgang der Kämpfe ist die Sicherung der Existenz des
DGB als Einheitsgewerkschaft und seine Entwicklung als eine Gegenmacht,
in der sozialistische Positionen ihren selbstverständlichen Platz
haben. Sozialpartnerschaft und Co-Management als Inhalt gewerkschaftlicher
Politik bedrohen die Existenz des DGB.
Daher lehnen wir Vorschläge
ab, die - so wie im Zwickel-Vorschlag zum "Bündnis für Arbeit"
- Verzicht auf Lohn und soziale Errungenschaften anbieten, um so den "Standort"
und damit die "Arbeitsplätze" zu sichern. Ein solcher Übergang
von Gewerkschaften und Betriebsräten zur Standortlogik des Kapitals
führt geradewegs in eine Abwärtsspirale des Lohn- und Sozialdumpings
und untergräbt die Solidarität der Arbeitenden, ohne jedoch das
Ziel der Standort- und Arbeitsplatzsicherung zu verwirklichen. Dagegen
setzen wir gemeinsam mit allen klassenorientierten und kämpferischen
Gewerkschaftern den ursprünglichen Zweck der Gewerkschaften, der Konkurrenz
der Arbeitenden untereinander entgegenzuwirken. Es liegt auch an uns und
an der Linken insgesamt, einen Beitrag zu leisten, daß die Linie
einer autonomen, klassenpolitischen Gewerkschaftspolitik wieder stärker
wird und Systemkritik sowie sozialistische Positionen offen erörtert
werden können. Intensiviert werden muß dringend die Zusammenarbeit
der Gewerkschaften auf europäischer und internationaler Ebene, um
ein Ausspielen nationaler Belegschaften gegeneinander zu behindern.
Von großer Bedeutung
für die Zukunft ist die Frage, inwieweit alle Jugendlichen die Chance
auf eine qualifizierte Bildung und Ausbildung haben. Ausbildung oder Studium
sind Grundvoraussetzungen, damit Jugendliche ein eigenständiges und
unabhängiges Leben führen können. Bildung und Ausbildung
müssen Grundrechte werden.
Wir fordern ein Ausbildungsgesetz,
in dem eine Ausbildungsverpflichtung für Großbetriebe mit einer
Quote festgelegt wird. Auszubildende müssen nach ihrem Berufsabschluß
in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Ausbildungsvergütungen
müssen eine selbständige Lebensführung ermöglichen.
Die Rechte der Auszubildenden müssen ernstgenommen und denen der übrigen
Beschäftigten gleichgestellt werden.
Wir fordern Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen. Dies kann letztlich nur mit einer integrierten polytechnischen Gesamtschule verwirklicht werden. Wir fordern volle Lehr- und Lernmittelfreiheit. Die Schulen müssen unabhängig von privaten Zuwendungen bleiben und ihren allgemeinbildenden Anspruch behalten. Wir sprechen uns aus gegen Schulzeitverkürzung, Klassenvergrößerung und Arbeitsverdichtung für Lehrer.
Antifaschismus und Antirassismus
müssen ein Grundkonsens aller relevanten gesellschaftlichen Kräfte
werden.
Wir setzen uns ein für
das Verbot und die sofortige Auflösung neonazistischer Parteien und
Organisationen sowie die Bestrafung rassistischer Äußerungen,
Drohungen und Handlungen. Wir werden aktiv für die Wiederherstellung
und Verwirklichung des Grundrechtes auf Asyl, Abschiebestopp und Wahlrecht
für alle hier lebenden Bürger ausländischer Herkunft! Wir
fordern Bleiberecht für alle - das Ausländergesetz muß
weg! Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Neonazismus sind überall
zu bekämpfen. Dazu gehört auch, entsprechenden Stammtischparolen
und Übergriffen im Alltag entgegenzutreten.
Der "Neoliberalismus" wirft
die "Dritte Welt" und die ehemals sozialistischen Länder noch weiter
zurück. Die Macht der Metropolen ist eine Form von Kolonialismus.
Viele internationale Gremien wurden zwar für die Herrschaftssicherung
der hochentwickelten kapitalistischen Staaten geschaffen, heute werden
sie jedoch noch brutaler dafür eingesetzt.
Wir treten demgegenüber
ein für eine neue Weltwirtschaftsordnung, für die Durchsetzung
gleichberechtigter partnerschaftlicher ökonomischer und politischer
Beziehungen aller Nationen und Völker und für Maßnahmen
zur Förderung der Entwicklung der ärmsten Länder, zu Lasten
der Profite der Banken und Konzerne. Wir sind solidarisch mit revolutionären
und fortschrittlichen Kräften in aller Welt, die sich für diese
Ziele einsetzen. Wir fordern, daß die Schulden und Zinsen der Dritten
Welt ersatzlos gestrichen werden. Die gegen die "Dritte Welt" gerichtete
Militärstrategie der Eingreiftruppen ist sofort zu stoppen. Soziale
und ökonomische Hilfe sind erforderlich, um militärische Konflikte
zu begrenzen.
In der Europapolitik organisieren
wir Widerstand gegen den Maastrichter Vertrag, der ein Europa der Monopole
will und mit der Währungsunion eine Vorherrschaft des deutschen Kapitals
erreichen soll. Die Westeuropäische Union (WEU) ist ihre militärische
Struktur. Wir fordern ein neues Vertragswerk, in das alle europäischen
Staaten gleichberechtigt eingeschlossen sind. Dieser Vertrag muß
das Ziel haben, Frieden, soziale Sicherheit, Gerechtigkeit und Humanismus
in Europa zu fördern.
Diese Ziele zu erreichen,
erfordert eine verstärkte europaweite Zusammenarbeit der kommunistischen,
revolutionären und linken Parteien, der Gewerkschaften und fortschrittlichen
Bewegungen.
Wir verteidigen den antifaschistischen
Geist des Grundgesetzes gegen alle reaktionären Veränderungen
und gegen das Aushöhlen der Grundrechte. So wenden wir uns gegen das
Urteil des Bundesverfassungsgericht, das Einsätze der Bundeswehr im
Ausland ermöglicht. Und gegen die Planung, das Recht der Unversehrtheit
der Wohnung abzuschaffen. Wir tun etwas für Änderungen zur Stärkung
der demokratischen, sozialen und politischen Grundrechte des Grundgesetzes,
zum Beispiel durch plebiszitäre Elemente und der Verankerung einer
qualifizierten Mitbestimmung. Der Erfolg der bayrischen Volksabstimmung
für zusätzliche Rechte zeigt die Möglichkeiten.
Wir fordern die Rehabilitierung
der politisch Verfolgten aus der alten BRD in den Jahrzehnten des Kalten
Krieges, insbesondere der antifaschistischen Widerstandskämpfer, die
in der BRD erneut politisch verfolgt wurden. Das KPD-Verbotsurteil vom
17. August 1956, das zur Handhabe vieltausendfachen Unrechts wurde, muß
aufgehoben bzw. außer Kraft gesetzt werden. Die Berufsverbotepraxis
in der Bundesrepublik ist vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
als rechts- und völkerrechtswidrig erklärt worden. Wir fordern
ihre umgehende Beendigung, die Rehabilitierung und Entschädigung der
Betroffenen.
Wir beteiligen uns am Kampf um die Bürgerbeteiligung bei der Einführung neuer Technologien bei technischen Großprojekten, um Humanisierung und Umweltverträglichkeit gegen das Profitinteresse zur Geltung zu bringen.
Nach dem Anschluß der DDR werden Antikommunismus und Kriminalisierung der sozialistischen Vergangenheit genutzt, um gesellschaftspolitische Alternativen für die Zukunft zu verhindern. So nimmt auch die Repression gegenüber autonomen und alternativen Bewegungen vor allem unter Jugendlichen spürbar zu. Eine differenzierte Betrachtung des Sozialismus der DDR, seiner Erfolge, aber auch seiner Schwächen und Fehler ist zwingend notwendig, auch um über gesellschaftliche Alternativen und einen neuen sozialistischen Anlauf in Deutschland weiter zu diskutieren. Die Gesinnungsprozesse müssen gestoppt werden, Verfahren sind einzustellen. Darüber hinaus fordern wir die Einstellung aller Strafverfahren gegen Menschen, die wegen ihres Widerstandes gegen die Beschneidung ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Menschenwürde gerichtlich verfolgt werden.
Mit diesen Positionen wird die DKP in den aktuellen Auseinandersetzungen ihren Beitrag leisten, die Rechtsentwicklung zu stoppen, die neoliberale Politik zu brechen und eine andere Entwicklungsrichtung durchzusetzen.