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Alles Müll – oder was?

„Privatisierung der Müllabfuhr ist vom Tisch“

titelte der Bonner General-Anzeiger vom 17.05.02.
In seiner Sitzung vom Vortag hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, das Verfahren zur Teilprivatisierung der Müllwirtschaft abzubrechen und die entsprechende Ausschreibung aufzuheben.
Dabei hatten die Mehrheits-fraktionen von CDU und FDP doch noch kurze Zeit vorher den Verkauf als unumgänglich für die Sanierung der städtischen Kassen erklärt. Und hatten sie doch bis wenige Tage zuvor an ihrem Käufer-Favoriten, der Firma TK-Umweltdienste, festgehalten. Und das unter dem Eindruck des Kölner Spendenskandals und angesichts der Tatsache, dass das „T“ bei TK für eine 50-prozentige Beteiligung der Firma Trienekens steht, die inzwischen (nicht nur in Köln) Steuerdelikte zugegeben hat und unter massivem Verdacht steht, sich Aufträge mit Schmiergeldzahlungen an Parteien und Kommunalpolitiker gesichert zu haben.

Woher der plötzliche Sinneswandel?

Die Vermutung liegt nahe, dass Herr Schreiber, bis vor kurzem CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Bonn, hier massive Entscheidungshilfe gegeben hat: Mit seiner Verhaftung und den Enthüllungen über Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an ihn war der Skandal nicht mehr weit weg (in Köln) und bei den anderen (SPD), sondern plötzlich ganz nah und in den eigenen Reihen. Dann wurde auch noch bekannt, dass sowohl Trienekens als auch der zweite Bewerber für die Bonner Müllverbrennungsanlage (MVA), die Firma Rethmann, auch Spenden an die CDU gezahlt hatten.  Das reichte wohl: der neue Fraktionsvorsitzende Hauser wollte „aus der geplanten Teilprivatisierung der Abfallwirtschaft“ „emotional gerne aussteigen“ (GA 30.04.02)

Privatisierung nicht endgültig beerdigt?

Wenn wir mit unserer Vermutung richtig liegen, muss das jedoch kein Abschied für immer sein. Es besteht die Gefahr, dass der Plan zur Privatisierung der MVA wieder aus der Tasche gezogen wird, sobald sich die Wogen um Trienekens und Schreiber gelegt haben. Der Ratsbeschluss war kein Begräbnis erster Klasse. Die CDU ließ mit ihrer Mehrheit die Prüfung einer möglichen Finanzbeteiligung der fusionierten GEW/Rhein Energie Köln festschreiben.
An diese will der Bonner Detlev Klaudt (das „K“ in TK) seine Anteile an TK-Umweltdienste verkaufen. Und RWE (bisher 49,9 % Anteile) hat inzwischen die restlichen 50,1 % Anteile an Trienekens übernommen, so dass dieser belastete Namen wohl von der Bildfläche verschwinden wird. Wenn man dann noch weiß, dass RWE ganz offen plant, in den nächsten Jahren über die GEW weiter ins Müllgeschäft einzusteigen, wird deutlich, dass die Privatisierungspläne in diesem Bereich wohl auch in Bonn Auferstehung feiern könnten...

 Das würde bedeuten:

Noch eine Frage:

Wenn CDU und FDP bis zu dem Ratsbeschluss den Verkauf von 49 % der Anteile an der MVA als unabdingbar für die Sanierung der leeren Stadtkasse bezeichnet haben, woher soll jetzt das Geld kommen? Immerhin hatte TK-Umweltdienste 43 Millionen Euro geboten.
Aber da die Liste der geplanten Privatisierungen lang ist, weiß Herr Hauser, der neue Fraktionschef der CDU gleich Ersatz: „Der Verkauf der städtischen Wohnungen ist unabdingbar zur Haushaltskonsolidierung“ (GA 30.04.02)......

Finanznot der Kommunen –ein strukturelles Problem

Wer wie die DKP Nein zur Privatisierung, d.h. Enteignung, öffentlichen Eigentums sagt, muss natürlich Alternativen aufzeigen, wie die Kommunen aus der Schuldenfalle befreit werden können. Tatsache ist, dass die Finanznöte der Kommunen nicht – oder zumindest nicht nur – das Ergebnis örtlichen Missmanagements sind, sondern ein strukturelles Problem:
Seit Jahren werden den Städten und Gemeinden von Bund und Land ständig neue Aufgaben zugewiesen während gleichzeitig die kommunalen Haushalte immer kürzer gehalten
werden, wachsende Sozialhilfeausgaben (v.a. als Folge von Langzeitarbeitslosigkeit), die Steuer-“reform“ und die mehr oder weniger legalen Steuertricks, mit denen sich die großen Konzerne (z.B. auch die Telekomm in Bonn ) vor der Gewerbesteuer drücken, sind nur einige Stichworte.
Der Landeshaushalt für das Jahr 2002 hat den Kommunen in NRW neue Belastungen gebracht. Dabei hatten diese bereits für das Jahr 2001 ein Rekorddefizit zu beklagen.

Eine neue Logik durchsetzen

Was ist also zu tun?


Sie haben Zweifel, dass diese Einsicht unter den gegebenen kapitalistischen Gesellschaftsbedingungen umgesetzt werden kann, in denen vor allem das Profitprinzip herrscht?
Wir auch – deshalb sind wir Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei!

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