Entsetzen und Anteilnahme
Mit tiefem Entsetzen haben
wir KommunistInnen die verabscheuungswürdigen, skrupellosen Terroranschläge
vom 11. September 2001 verurteilt und den Angehörigen der nach Tausenden
zählenden Opfer unsere Anteilnahme ausgesprochen.
„Diese Terroranschläge
haben nichts mit politischem Befreiungskampf zu tun. Für die Täter,
wer immer es sei, kann es nicht den Anflug von Verständnis oder Solidarität
geben“, erklärte der Parteivorsitzende der DKP, Heinz Stehr.
„Alle Menschen sind gleich“, so steht es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in vielen weiteren Dokumenten wie der Menschenrechtscharta. Doch schauen wir uns um auf der Welt: Nein, die Menschen sind nicht gleich. Gleich geboren, aber nicht gleich ernährt; gleichermaßen würdig, aber nicht gleichermaßen beschützt; gleichberechtigt, aber nicht gleich behandelt. Wer hungert, wird eben nicht satt. Wer zwischen Folterkellern lebt, lebt in der täglichen Angst um seine Haut. Wer verfolgt wird, kann sich kein Wohnzimmer einrichten. Wer keine Macht hat, ist ohnmächtig. Und wer sich verachtet fühlt, lernt den Hass.
Erleben wir ein Massaker an Afrikanern oder Arabern als die gleiche Katastrophe wie ein Massaker an Europäern oder US-Amerikanern? Ist es nicht so, dass wir in Afrika oder im Nahen Osten den rohen Umgang miteinander beinah für normal halten? Doch würden wir es verstehen, wenn ein Afrikaner oder ein Palästinenser ein Blutbad in Europa oder in den USA schlicht für das selbstverständliche Produkt einer Zivilisation hielte, die Auschwitz oder Hiroshima hervorgebracht hat?
Abbau demokratischer Rechte
Der Umfang und die Heftigkeit der Anschläge gegen die USA mögen überraschend gewesen sein, doch überrascht es auch, dass die USA in diesen Zeiten das Opfer von gewalttätigen Attacken wird? Muss es uns wundern, dass in den durch Kriege und Armut und Umweltzerstörung verwüsteten Teilen der Erde nach einfachen Lösungen gerufen wird, nach Rache? Wollen wir nicht begreifen, dass der Terror nicht nur eine bösartige, sondern auch eine verzweifelte Antwortauf die Aufteilung der Welt in Arm und Reich, in Sklaven und Herrscher ist? Überall auf der Welt leben Menschen in einer Situation der permanenten Demütigung und des ökonomischen Desasters. Und überall mischen die USA mit - selbstlegitimiert durch die vermeintliche Verteidigung der Freiheit, aber in Wahrheit immer auf der Seite des Geldes und besessen von der Durchsetzung des eigenen Werte- und Wirtschaftssystems. Wer Wind sät, wird Sturm ernten!
Die Situation wird von den Staatsmännern der westlichen Welt genutzt. Gerade eben noch ließen sie die Massenproteste in Genua und Göteborg zusammen knüppeln und schreckten auch vor der Ermordung eines Demonstranten nicht zurück; und so sind sie auch jetzt nicht bereit, die Ungleichheit in der Welt zu beseitigen. Stattdessen werden im Handstreich im Namen des „Kampfes gegen den Terrorismus“ demokratischen Rechte in nie gekanntem Ausmaß abgebaut. Der Datenschutz steht ebenso zur Disposition wie die individuellen Schutzrechte der BürgerInnen. Polizei und Militär werden aufgerüstet, die Steuern zur Finanzierung dieser Maßnahmen im Eilverfahren erhöht.
Wie könnten wir besser der vielen Toten gedenken, der zahllosen Opfer von sinnloser Gewalt und gezieltem Terror, als mit dem gemeinsamen Bemühen darum, dass sich die Welt tatsächlich ändert?!