Zurück

Widerstand in der Provinz 1933-1945

Otto Renois - von den Faschisten ermordeter Bonner Kommunist und Stadtrat

In Bonn findet regelmäßig zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus, eine Veranstaltung am Mahnmal für die während der Zeit des Faschismus verschleppten und ermordeten 600 Bonner Bürgerinnen und Bürger statt. Der wuchtige Granitblock mit einer Gedenktafel wurde vor wenigen Jahren von einer abseits gelegenen Stelle am „Alten Zoll“ mitten auf eine große Rasenfläche auf dem zentral gelegenen Kaiserplatz verlegt. In diesem Jahr waren die Antifa Bonn/Rhein-Sieg und die DKP Bonn / Rhein-Sieg die Veranstalter. Für die Antifa hielt eine junge Genossin einen Beitrag über die Rolle der Nazi-Militärgerichte. Für die DKP sprach Dr. H.-P. Brenner über den kommunistischen Widerstand in Bonn und die besondere Rolle des von den Nazis ermordeten KPD-Stadtrates Otto Renois. Daraus folgen die nachstehenden Auszüge:

Als am Abend des 30.01.1933 100.000 uniformierte Fackelträger der SA durch das Brandenburger Tor marschierten, um die Ernennung von Hitler zum Reichskanzler zu feiern, kam es auch in Bonn zu Gegenkundgebungen, die von der KPD initiiert worden waren. Die KPD-Führung hatte in einem letzten Versuch, die Machtergreifung der Nazis durch Massenaktionen der Arbeiterbewegung zu verhindern, den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) und die SPD-Führung zur Durchführung eines Generalstreiks aufgerufen. Doch die politische und ideologische Spaltung der Arbeiterbewegung war zu tief. Wieder einmal lehnte die SPD-Führung die antifaschistische Einheitsfront ab. Die wechselseitigen Verletzungen als „Sozialfaschisten“ auf der einen oder als „rotlackierte Faschisten“ auf der anderen Seite aus den letzten Jahren der Weimarer Republik blieben selbst am Tage der Installierung der faschistischen Diktatur ein unüberwindbares Hindernis. Dennoch versuchte die KPD hier in Bonn wie an vielen Orten die Arbeiter und die Betriebsbelegschaften zu mobilisieren.
Durch Massenentlassungen sowie durch die bewusste politische „Säuberung“ in Betrieben und Gewerkschaften besaß die KPD zu dieser Zeit nicht mehr so viele Betriebsgruppen. Es gab einen Widerspruch zwischen einer millionenfachen Wählerzahl (ca. 6 Millionen im November 1932) und eigener Mitgliederstärke (ca. 330.000) auf der einen Seite und organisatorischer und personeller Verankerung in Betrieben und Gewerkschaften auf der andern Seite. Aber hier in Bonn wie anderswo riefen kommunistische Flugblattverteiler vor den Betrieben und in Arbeiterwohnvierteln zum Widerstand auf.

Erste Widerstandsaktionen

Der Bonner Kommunist und Widerstandskämpfer Nikolaus Wasser schreibt dazu in seinen 1999 von H.-P. Bothien im Auftrag des Bonner Stadtmuseum herausgegebenen Erinnerungen:
„Trotz aller Gefahren haben wir an die Betriebe Flugblätter verteilt, die zum Generalstreik aufriefen. Eine gewaltige Demonstration wurde von uns durchgeführt und zeigte die Kraft der Arbeiterklasse.“ In Berlin zogen ca. 300.000 Arbeit am Sitz der KPD-Zentrale vorbei. Auf der Tribüne standen u.a. Ernst Thälmann, der 6 Wochen später von den Faschisten gefangen genommen wurde und nach 11 Jahren Einzelhaft auf Befehl Himmlers im August 1944 ermordet wurde, Wilhelm Pieck, später der erste DDR-Präsident sowie Walter Ulbricht, der spätere Nachfolger Wilhelm Piecks.
Auch hier in Bonn wurde auf Aufruf der KPD demonstriert. In einem Bericht des Bonner „Generalanzeigers“ vom 31.1.33 hieß es: „Etwa 300 Mann und auch eine Anzahl Frauen zogen mit Musik und Fahnen durch die Stadt, abwechselnd Lieder singend und rufend: ´Nieder mit Hitler!“ oder ´Nieder der Faschismus!“
Im Vergleich zu der am folgenden Tag durchgeführten Jubel-Demonstration der Nazis und ihrer Verbündeten aus dem rechtsbürgerlichen Lager der Harzburger Front war das eine vergleichsweise kleine Aktion. Aber unter welchen Bedingungen fand der Widerstand statt?
Man lese, mit welchem jubelnden Unterton der „Generalanzeiger“ die Nazi-Demo am 31.1.33 beschrieb:
„Da schieben sich die braunen Kolonnen mit ihren Fahnen in Reih und Glied durch die von der Volksmenge dicht bestandenen Straßen und hinter der Stahlhelmkapelle wogte das schöne Feldgrau im gleichen Schritt und Tritt. Im Abendwind flatterte die alte Kriegsflagge und das Schwarz-Weiß-Rot. Militärmärsche brausten durch die Straßen, und aus 1000 Kehlen strömten die Kampflieder in den Abend hinein.“
Das bürgerliche Bonn umjubelte die faschistische Machtübertragung als „endlichen Sieg des nationalen Deutschland.“ Endlich habe der Mann die Führung des Reiches übernommen, den Millionen schon lange erwartet hätten.
Nur wenige antifaschistisch Gesinnte wagten an diesem Tag in Bonn, ihre Gesinnung offen zu zeigen. Im „Generalanzeiger“ - Bericht hieß es dazu: “Vor Beginn des Fackelzuges habe man vom Münsterplatz her die ´Internationale` gehört.“ Protestierende Kommunisten und Antifaschisten wurden von den Nazis und ihren Mitläufern zusammengeprügelt. Zynischer O-Ton des „Generalanzeigers“ am 1.2.33: “Man sei ja bei jedem politischen Umzug kleinere Reibereien gewohnt.“
Die Bonner KPD mobilisierte weiter nach ihren Möglichkeiten: Am Folgetag, dem 1. Februar 1933, nahmen 500 Menschen an ihrer zweiten Protestdemonstration teil: Dazu wieder O-Ton des „Generalanzeigers“: „Die Bonner Kommunisten veranstalteten gestern nachmittag wieder eine Straßenkundgebung gegen den neuen Regierungskurs. Etwa 500 Mann und eine Anzahl Frauen marschierten durch die Stadt. Auf dem Münsterplatz wurde eine kurze Ansprache gehalten.“

Bewaffneter Überfall auf die KPD

Die Antwort der Bonner Faschisten auf die Protestkundgebungen der KPD ließ nicht lange auf sich warten. Noch am selben Abend kam es zu einem bewaffneten Überfall auf die Wohnung eines bekannten Bonner Kommunisten. Aus den Erinnerungen von Nikolaus Wasser wissen wir, dass der Überfall am Bonner Talweg 106 stattfand. Er galt dem bekannten KPD-Funktionär Willi Kieselbach (1895-1963). Dies war bereits der dritte bewaffnete Überfall von SS-Banditen auf ihn.
Die Genossen der KPD wehrten sich sofort. Nikolaus Wasser schrieb: „Als wir zum Gegenangriff übergingen, hatte die Polizei das Schießen vernommen und verfolgte uns. Ich erkannte die Situation und nahm von den anderen vier Genossen die Waffen...“ Er simulierte dann einen Betrunkenen und entkam mit viel Glück einer Leibesvisitation an einer Polizeisperre.
Die KPD war in Bonn bei den Reichstagswahlen am 6.11.1932 zur zweitstärksten Partei hinter dem Zentrum und noch vor der SPD geworden. Sie kam auf 14,7% der Stimmen, die SPD auf 13,5%. In der Bonner Stadtverordnetenversammlung war sie bereits seit Mitte der 20er Jahre mit 3 Abgeordneten vertreten. Zu ihnen gehörte seit 1929 Otto Renois.

Otto Renois: Kopf des Widerstands

Otto Renois wurde am 8. August 1892 in Brandenburg geboren. Er war nach einer Schreinerausbildung als Wanderbursche nach Bonn gekommen. Hier heiratete er die „Bönnsche“ Margarete Schleimbach. 1927 wurde ihr Sohn Manfred geboren. Die Familie Renois wohnte im Jagdweg 45 im Stadtteil Poppelsdorf.
In den Jahren der Massenarbeitslosigkeit organisierte Otto Renois Protestaktionen der Arbeitslosen. Er sorgte sich aber auch um ihre praktische Unterstützung mit der Einrichtung von Suppenküchen, o.ä. Es gibt ein Foto von ihm, auf welchem er 1932 auf dem Münsterplatz vor Arbeitslosen spricht. Wegen seines sozialen Engagements war Otto Renois über Parteigrenzen hinweg respektiert und anerkannt. Er galt als ruhiger, sachlicher und vornehmer Mensch, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Die Witwe des von den Nazis im Zusammenhang mit dem Stauffenberg-Attentat 1944 ermordeten christlichen Bonner Gewerkschafters Heinrich Körner, die spätere Bonner CDU-Stadtverordnete Therese Körner, bezeichnete Otto Renois achtungsvoll als einen „Edelmann“.
Dieser anerkannte und respektierte KPD-Funktionär war bei den Nazis natürlich besonders verhasst; sie wussten, dass er - wie der „Generalanzeiger“ später in einem langen Artikel am 30.01.1973 schrieb, „der geistige Kopf des Widerstandes“ in Bonn war. Entgegen der Ratschläge von Freunden und Genossen, weigerte er sich lange, in die Emigration zu gehen. Um ihn zu schützen, verbreiteten seine Genossen das Gerücht, dass er sich bereits vor dem 30.01.33 abgesetzt hätte. In Wirklichkeit versteckte er sich in der Wohnung seines Schwagers Hans Höfs. In wechselnder Tarnung und Verkleidung organisierte er von diesem Versteck aus den Widerstand.
Bei der letzten „freien“ Kommunalwahl am 12.03.1933, die schon unter massivsten Benachteiligungen und Verfolgungen der KPD stattfand, wurde Otto Renois erneut mit zwei weiteren Genossen in den Stadtrat gewählt. Die drei Kommunisten durften an der konstituierenden Sitzung des Bonner Stadtrates am 31.03.33 aber schon nicht mehr teilnehmen; ihre Mandate wurde aberkannt. So geschah es auch mit den zeitgleich errungenen Reichstagsmandaten der KPD auf Anordnung der Nazi-Regierung. Die konstituierende Stadtratssitzung fand in der damaligen Beethovenhalle vor einer riesigen Hakenkreuzfahne statt. Uniformierte SA-Einheiten mit ihren Standarten bildeten die Drohkulisse. 150 bis 200 aktive Mitglieder und Funktionäre von KPD und SPD waren bereits inhaftiert worden. Die „Schutzhäftlinge“ wurden ins Gerichtsgefängnis in Bonn, in das Siegburger Zuchthaus oder ins KZ Börgermoor im Emsland verschleppt.

Verhaftung und Ermordung

Nur wenige Tage später, am 4. April 1933, wurde Otto Renois bei einem Besuch seiner eigenen Wohnung im Jagdweg von einem Nazitrupp gefasst. Es wird vermutet, dass er in dieser Nacht Abschied von seiner Familie nehmen wollte. Am 5.April 1933 gab es dazu folgenden Bericht im „Generalanzeiger“: „In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde der langgesuchte kommunistische Stadtverordnete Renois in seiner Wohnung verhaftet. Auf dem Wege zur Polizeiwache machte er einen Fluchtversuch und wurde dabei von einem Fahndungspolizisten durch einen Schuß tödlich getroffen. Es starb kurze Zeit danach in der Klinik.“
Aus dem Bericht seines Schwagers Hans Höfs wissen wir, was es mit diesem „Fluchtversuch“ auf sich hatte.
Unter Führung des bekannten Bonner Nazis Peter Holzhauer drang eine NS-Truppe in die Wohnung der Familie Renois ein. Es soll – so schrieb der Bonner Oberstadtdirektor 1948 in einem Brief an die Staatsanwaltschaft - kein Zufall gewesen sein, dass Holzhauer für dieses Kommando eingeteilt worden war. Der Führer des Bonner SS-Kommandos, Paul Elend, habe den in Bonn allgemein als gewalttätig und gefährlich bekannten Peter Holzhauer speziell gegen Otto Renois eingesetzt. Der Schlägertrupp habe die in ihn gesetzten Erfahrungen auch erfüllt. Mit gezogener Pistole drang er in das Schlafzimmer des Ehepaares Renois, in dem das Ehepaar und sein kleiner Sohn nächtigten. 6o Jahre später hieß es dazu in einem historischen Rückblick in einem „Generalanzeiger“–Artikel vom 05.04.1993:
“Barsch forderten sie Renois auf, sich auszukleiden und mitzukommen. Als er einen guten Anzug wählte, eine Krawatte umlegen und seine Uhr einstecken wollte, hieß es höhnisch, das sei nicht nötig. Schon auf dem Fahrzeug, mit dem Renois abtransportiert wurde, misshandelte man ihn. Von seiner Frau ist bekannt, dass die Scherzensschreie ihres Mannes, sie noch jahrelang verfolgten.
Dann wurde die Ermordung nach dem in den Nazijahren gebräuchlichen Muster inszeniert. Wie Hans Höfes zu Protokoll gab, wurde auf der Poppelsdorfer Allee dem Gefangenen der Hut vom Kopf gerissen. Als er der Aufforderung folgte, den Hut wieder von der Straße aufzuheben, wurde er ´auf der Flucht erschossen`. Renois war nicht sofort tot. In der Klinik stellte der behandelnde Arzt der später hochangesehene Bonner Chirug Professor Alfred Gütgemann einen Halsdurchschuß fest. Obwohl Renois noch ein paar Stunden lebte,blieb seine Frau ohne Nachricht. Erst Stunden später wurde sie mit ihrem Schwager aufgefordert, den in der Klinik aufgebahrten Toten zu identifizieren. Die Leiche wurde der Witwe jedoch nicht übergeben. Sie erhielt einige Zeit später eine Urne.“
Hans Höfs war es jedoch gelungen im gerichtsmedizinischen Institut heimlich ein Foto von der halbverdeckten Leiche Otto Renois´ zu machen.

Ungesühnte Tat

Die Empörung über diesen ersten Mord an einem Bonne Widerstandskämpfer war offenbar recht stark. Als Otto Renois zwei Wochen nach seiner Ermordung auf dem Poppelsdorfer Friedhof bestattet wurde, hatte sich dort eine große Menschenmenge eingefunden. Der „Generalanzeiger“ vom 05.04.93 wertete dies als einen letzten Beweis für das Ansehen des Ermordeten, „eine stumme Demonstration gegen die verbrecherische Tat, die Täter und ihre Hintermänner.“
Die Witwe Margarete Renois zeigte den Mörder Paul Holzhauer und seine Kumpane an. Es gab keine Reaktion. Als nichts geschah, wandte sie sich ohne Erfolg ans Justizministerium; aber auch hier fand sich kein Ankläger. Auch nach dem Krieg und der Befreiung vom Faschismus blieb der Mord ungesühnt. Der Bonner Oberstadtdirektor regte zwar 1948 bei der Staatsanwaltschaft Ermittlungen an, aber ein Verfahren wurde nicht eingeleitet. Der Fall wurde juristisch nicht gesühnt. Im August 1949 wurde aber auf Beschluß des Rates der Stadt Bonn eine kleine Straße in der Nähe der ehemaligen Wohnung der Familie Renois nach ihm benannt. Und bis heute existiert auf dem Poppelsdorfer Friedhof auf dem Kreuzberg das „Ehrenmal 75“, in dem Otto Renois und seine Frau Margarete (sie starb 1986) begraben sind. Es ist eine eher unscheinbare, von einer schlichten steinernen Urne bedeckte Ruhestätte, die auf Kosten der Stadt offenbar mit einem Minimalaufwand gepflegt wird.

Der Widerstand ging weiter

Mit der Ermordung Otto Renois´ stellte die KPD ihren Widerstand in Bonn nicht ein. Sie wurde aber durch mehrere Verhaftungswellen stark dezimiert und in ihren Wirkungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. 1934/35 mußte sie besonders harte Schläge ertragen. Sie konnte ihre Widerstandsorganisation jedoch noch längere Zeit aufrecht erhalten. Nikolaus Wasser schilderte, wie er und seine Genossen nach seiner Haftentlassung aus dem KZ Börgermoor im Januar 1934 den Kampf organisierten: „Wenn auch viele KPD-Funktionäre ihre politische Tätigkeit etwas in den Hintergrund stellten, so gelang es mir doch, in kurzer Zeit den Kontakt mit allen wiederherzustellen. Sie waren bereit den illegalen Kampf gegen den Faschismus aufzunehmen. Nach dem Bilden von 10er Gruppen, die dann mit dem immer schärfer werdenden Terror der Faschisten in 3er Gruppen umgestaltet wurden, gelang es uns, eine starke und gute illegal arbeitende Partei zu schaffen, die mit selbstgefertigten Zeitschriften, Flugblättern oder kleinen Flugzetteln beliefert wurde und diese in Betrieben, auf Straßen, Plätzen, Häusern und besonders in großen Kaufhäusern anbrachte. ... Um den illegalen Kampf auch mit Flugzetteln weiter führen zu können, bauten wir in unserem Keller dementsprechende Einrichtungen. Wir konnten so auf primitiven Abziehapparaten einiges Material herstellen.
Eine von uns organisierte Flugzettelaktion setzte die Gestapo/SA/SS, aber auch die Bevölkerung von ganz Bonn und Umgebung in große Aufregung. Diese Aktion wurde in allen Stadtteilen zur gleichen Uhrzeit durchgeführt. Der Erfolg war groß, und man sagte: ´Das können nur Flugzeuge abgeworfen haben.` Kein Genosse wurde bei dieser Aktion verhaftet. Aber der Terror setzte verschärft ein.“
Diese spektakuläre Flugblattaktion wurde wahrscheinlich in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1935 durchgeführt. In einem Bericht der Staatanwaltschaft an den Bonner Oberbürgermeister (Az StA Bonn Pr 10/575 T.2.) heißt es: „Unverantwortliche Elemente haben zum 1.Mai, am Tage der Arbeit, versucht, für den Kommunismus zu agitieren. Zu diesem Zweck sind nachts an verschiedenen Stellen der öffentlichen Straßen kleine Handzettel verstreut worden, die mit der Schreibmaschine hergestellt worden sind und auf denen außer dem Sowjetstern, Sichel und Hammer Sätze zu lesen waren wie: Wie lange wollen wir noch hungern?“
Nach dieser erfolgreichen Propagandaaktion der Bonner KPD schlugen die faschistischen Spitzel und Verfolgungsbehörden noch schärfer zu. Am 12./13.Juni 1935 begann eine großangelegte Verfolgungswelle, in deren Verlauf über 100 kommunistische und sozialistische Widerstandskämpfer aus Bonn und dem Bonner Umland verhaftet wurden. 74 von ihnen wurden nach einem Jahr Gestapo – Haft, nach Folter und brutalen Verhören wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt und verurteilt.
So wie in Bonn standen die Mitglieder der KPD in ganz Deutschland in den vordersten Reihen des Widerstands. Über 100.000. KPD-Mitglieder wurden wegen ihres aktiven Widerstandes inhaftiert, in Zuchthäuser und KZ geworfen oder umgebracht.

Das Vermächtnis Otto Renois` lebt weiter

Dieses Kapitel des deutschen Widerstandes blieb in Westdeutschland lange verschwiegen und ist bis auf den heutigen Tag fast unbekannt.
Nur 11 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus wurde die KPD erneut verboten. Doch die KPD, die Partei von Otto Renois und Nikolaus Wasser sowie der anderen Bonner kommunistischen Widerstandskämpfer wie z.B. Walter Markov, Jupp Messinger, Anton Hensmann, konnte nicht zerstört werden. Physisch und politisch lebt sie fort und kämpft sie weiter in der älteren Generation der Kommunistinnen und Kommunisten, die 1968 die DKP neu konstituierten und die meine und die nachfolgenden DKP-Generationen im Sinn des Antifaschismus erzogen. Dafür standen und stehen Namen wie Kurt Bachmann, Emil Carlebach und Peter Gingold.
Das Erbe von Otto Renois bleibt gewahrt im Wirken auch der jüngeren Generation Bonner Kommunisten und Antifaschisten, die heute des Kampfes von Otto Renois und seiner Genossinnen und Genossen sowie des Widerstands der anderen Bonner Antifaschistinnen und Antifaschisten zwischen 1933- und 1945 gedenken.

Dr. Hans-Peter Brenner

Zurück